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Montag, 13. April 2015
Steaks und Stiefmütter
Hallo ihr Lieben,
Freitag Abend befand ich mich in einer für mich sehr belastenden Situation. Ich war das erste Mal seit langer Zeit zum Essen eingeladen. Ich wurde von meiner Lebensgefährtin in mein Lieblingssteakhaus ausgeführt. Da ich nun einmal ein Mann bin, habe ich mich darauf sehr gefreut, denn was gibt es schon Besseres als Steak? Nicht viel, also war ich dementsprechend guter Dinge!
Wir setzten uns auf einen schönen Fensterplatz und machten es uns gemütlich. Neben uns saß eine kleine Familie. Vater, Mutter und Sohn. Das dachte ich zumindest. Ich bin ein recht aufmerksamer Mensch und so bekomme ich meistens auch das, was um mich herum geschieht, sehr schnell mit. Auch an diesem Abend sollte das so sein, denn ich konnte das Gespräch am Nebentisch ziemlich gut verfolgen und die Gestik und Mimik dieser drei Personen sehen. Mir fiel schnell auf, dass der Junge, er war etwa 10 Jahre alt, "Papa" und "Kerstin" sagte. Der Junge redete sehr schnell, schaute seinen Papa dabei mit großen Augen an und neigte dazu, die Gesprächsthemen immer etwas zu übertreiben.
Der Vater hatte sichtlich Spaß an dem Gespräch und machte zwischendurch auch kleine Scherze.
Kerstin hingegen schaute entweder gelangweilt auf ihr Handy oder diskutierte mit dem Jungen. Darüber, wie weit man sehen kann, ob oder ob der Junge noch nicht Star Wars schon einmal geschaut hat und woher das Wort "Casino" stammt. Kerstin war grundsätzlich anderer Meinung als der Junge und stellte ihn verbal ziemlich bloß.
So behauptete der Junge zum Beispiel, dass man nur 5 Kilometer weit sehen kann. Was in so weit stimmt, als dass man bei einer Augenhöhe von ca. 2 Metern etwa 5 Kilometer bis zum Horizont sehen kann. Anstatt aber nachzufragen, was der Junge meint, sagte Kerstin: "Das ist doch absoluter Schwachsinn! Der Mond ist doch viel weiter weg!" Alle Diskussionen, die ich an diesem Abend mithören konnte, waren so geartet. Der Vater hat dabei nicht wirklich in die Situation eingegriffen.
Dieses Schauspiel hat mich bereits beim Essen sehr nachdenklich und auch ein wenig traurig gemacht. Der sehnsüchtige Blick des Jungen, das Übertreiben der Themen und die Art, wie er sich immer wieder an seinen Vater wandte, das spricht für mich davon, dass der Junge Aufmerksamkeit sucht, dass der Junge verzweifelt versucht, seinen Vater zu beeindrucken, den Vater dazu zu bewegen, ihn vielleicht einmal in den Arm zu nehmen oder Ähnliches.
Kerstin hingegen schrie gerade zu heraus: "Ich hab keine Lust auf dieses KIND! Ich will den Mann für mich allein haben!"
Der Vater hielt sich einfach heraus. Das finde ich ehrlich gesagt am schlimmsten. Wenn meine Lebensgefährtin so mit meinen Kindern reden würde, würde ich ihr etwas ganz anderes "erzählen".
Das alles hat mich auch in der folgenden Nacht nicht mehr losgelassen! Wird mein Sohn mich später auch so ansehen? Ist es das, was mich und meine Kinder in der Zukunft erwartet? Was kann ich tun, damit es nicht so wird?
Vielleicht interpretiere ich die Situation an diesem Abend auch vollkommen falsch. Aber ich denke, dass es nicht von Belangen ist, was an diesem Abend und in dieser Familie tatsächlich an der Tagesordnung ist. Wichtig ist nur, was dieser Abend in mir auslöst und was ich daraus lernen kann.
Also, was kann ich daraus lernen? Ich lerne daraus, dass es richtig ist, kein Wochenendpapa sein zu wollen. Ich lerne daraus, dass meine Kinder IMMER an erster Stelle kommen werden. Ich lerne daraus, was ich meinen Kindern in Zukunft ersparen will.
Alles Gute,
Thomas
Dienstag, 7. April 2015
Perfektion braucht kein Kind!
Hallo ihr Lieben,
es ist schon etwas länger her das ich euch einen direkten erlebnis Bericht präsentieren konnte. Aber wie viele von euch ja wissen, dieser Blog hat mal als mittel zur selbst Therapie begonnen. Als eine Art "Tagebuch" um die von mir erlebten dinge zu verarbeiten. Dieses mal hat es nichts mit Sorgerecht oder Umgangsrecht zu tun. Meine Ex-Frau ist, um genau zu sein, eigentlich nur sehr sehr indirekt an diesem vorfall beteiligt. Schuld trifft sie daran allerdings keine, so fair muss ich sein.
Ich versuche unseren Kindern, in der Zeit die sie bei mir sind, alles zu bieten was sie auch in einer Vater/Mutter/Kind Familie oder bei meiner Ex-Frau haben. So bastele ich oft mit ihnen, versuche Deko passend zur Jahreszeit und oder dem anstehenden Fest zumachen und aufzuhängen/stellen. Zugegeben, ich bin kein großer Fan von Deko, auch Basteln fällt mir oft schwer da ich es schlicht weg nicht wirklich kann oder Spaß dran habe. Aber wir machen es trotzdem zusammen. Im Herbst gab es Blätter-Mobiles, Igel-familien und co, im Winter Schneemänner, Nikoläuse und Tannenbaüme.
Auch jetzt zu Ostern stand dieses Thema an. Wir haben, zusammen mit meiner Lebensgefährtin, Eier ausgeblasen und Bemalt, einen Osterstrauß gemacht und dekoriert und noch ein paar andere Sachen gebastelt. So haben wir am Karfreitag auch Eier gefärbt. Es war das erste mal das ich, ganz alleine, Eier gefärbt habe und so wollte ich das sie Perfekt werden.
Nachdem die Eier dann gekocht waren, wir alle Farben vorbereitet hatten und es ans Färben ging, nahm mein Sohn die gekochten Eier und warf sie etwas rabiat in die vorgesehenen Behälter. Das hat mich schon ein wenig genervt. Die Schale war nun brüchig und hatte Risse. Als es dann an der Tür klingelte und ich die Küche kurz Verlies, hatte mein kleiner die Idee alle Farben zusammen zu schütten. Als ich dies sah war ich ehrlich etwas sauer. Das habe ich ihn wohl, leider, auch spüren lassen. So Verlies er, etwas betrübt, die Küche und ging in sein Zimmer.
So stand ich nun, alleine, in der Küche und dachte nach. Mir viel auf das er noch versucht hatte mir zu erklären wieso er die Farben zusammen geschüttet hatte, er wollte Regenbogen Eier machen. Mir viel auf das er das toll und lustig fand, das er die Eier so haben wollte und sie schön findet. Eigentlich ist es ja egal wie die Eier am Ende aussehen, solange er Spaß daran hat und er sie toll findet. Also ging ich ihm nach, ich redete mit ihm darüber und entschuldigte mich, sagte ihm das es mir leid tut, das ich nicht böse bin und das die Eier toll sind wenn sie ihm gefallen. Er nahm das, wie immer, sehr gut auf und seine Laune besserte sich sofort.
Kurz darauf standen wir wieder in der Küche und bewunderten die Eier. Er sagte "Die sind ja gar nicht Regenbogenfarbig, die sind nur Braun." Ich erklärte ihm das wäre nicht schlimm, Hauptsache die Eier schmecken und wir hatten unseren Spaß. Da wurde er sehr still und nachdenklich, sah mich an und sagte "Papa, entschuldige das ich die Farben zusammen gekippt habe. Jetzt verstehe ich wieso du stinkig (unser Wort für sauer) warst, die sehen echt doof aus!"
Ich finde es erstaunlich wie mein (fast) 4-jähriger Sohn es, von ganz alleine, schafft solche zusammen hänge zu ziehen. Ich finde es toll das wir eine so gutes Verhältnis, ein so starkes band, haben das wir frei und offen über solche dinge miteinander reden können.
Am Abend dachte ich weiter über diese Situation nach, eigentlich bin ich keiner der wegen so etwas meckert. Also wollte ich wissen warum ich da so reagierte. Denn ich fand meine Reaktion nicht richtig. Ich hätte nicht stinkig werden sollen, das war mir klar. Aber niemand ist Perfekt und ich würde lügen wenn ich sage "Ich mache immer alles richtig". Mir fiel auf das ich mich immer wieder, in solchen dingen wie Deko oder Basteln, mit meiner Ex-Frau vergleiche. Ihr fällt so was leicht und die Ergebnisse sehen immer perfekt aus. Ich hatte wohl vergessen das es nicht wichtig ist wie das Ergebnis aussieht, vergessen das es unsere Kinder nicht interessiert ob der Osterhase den wir Basteln wie einer aussieht oder eher wie ein braunes Michellinmännchen. Ihnen geht es um den Spaß, das zusammen Basteln und die gemeinsame Zeit.
Ich schreibe das hier also weniger für euch, ich schreibe es für mich. Denn dadurch das ich es hier niederschreibe, behalte ich es noch besser im Kopf. So kann ich mich später besser daran erinnern und danach handeln. Denn egal wie viele von euch meinen Blog lesen, ich schreibe ihn auch für mich selbst. Als mittel der selbst Reflexion, als mittel zu lernen. Denn das sollte doch jeder von uns, vor allem im Umgang mit den Kindern, immer wieder tun. Dazulernen.
Ich danke euch für eure zeit und das Lesen meiner Gedanken.
Alles gute,
Thomas.
p.s. Das Ei ist ein Stormtrooper und hängt an unserem Osterstrauß.
Montag, 6. April 2015
Das Autobahnkind.
Hallo ihr Lieben,
vor kurzem habe ich diesen Gast.Beitrag von Kas Cady, dem Auto von dem Blog "Autobahnkind", bekommen. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen.
"Lange habe ich überlegt wie ich diesen Artikel für den Rosenkriegblog schreiben bzw. verfassen soll. Viele Details habe ich auf meinem Blog bereits veröffentlicht, viele Negativitäten, die ich hier einfach auslassen werde. Letzten Endes hat das Gute gesiegt und ich hoffe inständig das sich die Harmonie halten wird, aber dazu jetzt mehr.
Was ich hier schildere ist meine subjektive Sicht und deckt sich nicht zwangsläufig mit der Sichtweise anderer beteiligter Personen.
Wie bei fast allen Betroffenen begann auch bei mir alles mit einer Trennung; einer Trennung die ich des Kindeswegen sehr weit aufgeschoben habe. Die Suche nach den Gründen habe ich längst aufgegeben, es macht kein Sinn in der Vergangenheit zu wühlen und nach dem Wieso und Warum zu fragen. Gerade wenn beide Trennungsparteien heute das gleiche Gefühl dazu haben. Ein Gefühl das es aus persönlicher Sicht für beide das Beste war.
Einzig die „Schwierigkeit“ des gemeinsamen Kindes und die gemeinsame Sorge in der Zukunft, entfachten danach einen monatelangen Konflikt, der sich in seiner Struktur in immer abartigere Gründe vertiefte.
Mein erster Schritt nach der Trennung war ein sehr gewagter:
Ich habe meine „Heimat“, mein „Trümmerfeld“, verlassen um mich weit weg allen Geschehens in Düsseldorf niederzulassen.
Ich kämpfte mit Depression und suizidalen Gedanken und mein Ziel war es Ruhe zu finden, zu mir zu finden und mich irgendwie zu sammeln, um alles was in den letzten Jahren passiert ist zu verarbeiten und hinter mir zu lassen. Einzig stechender Schmerz war meine Tochter, die ich zu diesem Zeitpunkt bei der Mutter lies. Was mich dazu bewogen hat weiß ich nicht. Vielleicht war es Mitgefühl, manch einer mag es Dummheit nennen oder einfach nur Naivität, dass es irgendwie schon wird.
Die ersten 3 Monate liefen super und ich war alle 2 Wochenenden bei meiner Tochter. Wir planten eine Art Wechselmodell, das vorsah mein Kind eine Woche bei mir zu betreuen, doch machte uns der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung und ich bekam keine Betreuung für meine Tochter organisiert. Leider kamen damit auch die ersten Schwierigkeiten und ich spürte die Distanzierung der Mutter. Die Probleme häuften sich und erste Termine beim Jugendamt wurden gemacht. Ich teilte meine Sorge mit, dass die Mutter überfordert sei und meine Hilfe nicht annimmt. Die Mutter schilderte ihre Sorge dass ich unser Kind mitnehme und nicht wieder bringe, und schon kam die Maschinerie ins Rollen. In feinster Dokumentationsarbeit wurden jetzt Termine mit dem Jugendamt vereinbart über die Abhol- und Bringzeiten. Ich hielt mich an alle Absprachen und irgendwann konnte auch das Amt die Angst der Mutter nicht mehr verstehen. In dieser Zeit machte sie auch einen Wunsch deutlich, den ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Sie wollte ihre Ausbildung abbrechen um in ihre alte Heimat, nach Berlin zu ziehen. Jetzt sollten mich nicht mehr 300 km von meiner Tochter trennen, sondern 600 km und dem konnte ich nicht zustimmen.
Ich führte Gespräche mit ihr, in denen es darum ging wie ich es anstellen solle in Zukunft meine Tochter zu sehen. Doch es war bereits zu spät und so manifestierte sich die Einstellung, dass es allein mein Problem sei. Die Angst, die resultierend daraus in mir wuchs, wurde zu Zorn und ich fokussierte mich nur noch auf die Fehler die die Mutter machte. Als ich darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass der Zustand meines Kindes an Verwahrlosung grenzt, war es bei mir vorbei. Noch am selben Tag fuhr ich kurzer Hand zu ihr um dem ein Ende zu setzen. Der absolute Streit brach aus, der am Ende dieses Abends nur noch durch die Polizei vermittelt werden konnte. Sie lies nicht zu dass ich meine Tochter an diesem Tag sehe, geschweige denn die Vorwürfe an diesem Tag geklärt werden konnten.
Kurz darauf bekam ich Post von ihrem Anwalt, der das Verfahren einleitete mir das Sorgerecht zu entziehen, damit die Mutter ohne meine Zustimmung nach Berlin ziehen kann. Mir wurde vorgeworfen mein Kind geplant entführen zu wollen, sowie die Mutter emotional zu erpressen. Ich war geschockt und todtraurig über diesen Vorwurf und haderte mit mir.
Das Jugendamt, welches immer noch neutral der Sache gegenüber Stand, und andere Beratungsstellen rieten mir dringend einen Anwalt zu beauftragen, um nicht von vornherein unter zu gehen.
Kurze Zeit später saßen wir vor Gericht. Die Mutter hatte in der Zeit den Anwalt zu einer Anwältin gewechselt, welche noch viel ekliger und aggressiver in den Prozess ging.
Einen ganzen Frühling und Sommer zog sich das Schauspiel hin und ich möchte in keinster Weise darauf eingehen, da dieser Prozess tiefe und schmerzliche Wunden gerissen hat, an denen ich heute noch mit psychotherapeutischer Hilfe zu arbeiten habe.
Vor der letzten Verhandlung, ohne Verfahrensbeistand und Gutachter, sprach ich mit der Mutter, was komischer Weise immer noch möglich war und sagte ihr ganz klar: Das dies mein letzter Prozess wird, egal welchen Ausgang er hat. Ich hatte keine Kraft mehr und sah der Aussichtslosigkeit, in Anbetracht der Rechtslage in Deutschland entgegen.
Ich schilderte ihr welchen Weg ich nehmen werde. Das ich mich, so weh es tut, zurückziehe, den Unterhalt zahle und hoffe das meine Tochter in ferner Zukunft den Kontakt zu mir sucht um sich vielleicht auch meine Sicht zu den Ereignissen schildern zu lassen. Ich habe nicht bemerkt was es in ihr ausgelöst hat.
Während der Verhandlung sprachen wir über die Möglichkeiten in der Zukunft, denn es gab aus rechtlicher Sicht keinen Grund mir das Sorgerecht oder auch nur einen Teil dessen zu entziehen.
Ich erklärte daraufhin der Richterin den Sachverhalt bezüglich des eigentlich geplanten Wechselmodells und schon drehte sich alles in eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte.
Jetzt redeten wir nicht mehr über den Entzug des Sorgerechts, sondern über die Ausführung des Paritätsmodells aus dieser Distanz.
Die Mutter willigte gegen den Rat ihrer Anwältin ein und wir hatten eine solide Grundlage
für die Ausübung des Modells zwischen Berlin und Düsseldorf.
Nach der Verhandlung sprachen wir noch einmal miteinander, aber dieses Mal auf einer anderen Basis.
Irgendwie habe ich heute das Gefühl, wir beide bereuten wie dieser Konflikt eskaliert ist.
Leider konnte unser Rechtssystem keine Ruhe geben und die Anwälte stritten sich über Formulierungen im Protokoll, welches das Gericht nach dem Prozess anders verfasste als besprochen, bis in den Winter. Ich wollte das alles nicht mehr und bat die Mutter um ein letztes Gespräch zu diesem Thema.
Wir beide entschieden uns die Mandate zu entziehen um der Sache endlich die Ruhe zu geben die längst überfällig war. Wir trafen wieder eigene Einigungen und Entscheidungen, ohne Streit und ohne Dritte.
Wir bauen heute mit jedem Wechsel und jedem Telefonat unsere Elternbasis aus. In diesem Jahr haben wir den 4. Geburtstag unserer Tochter zusammen gefeiert.
Respekt und Akzeptanz ist das, was wir heute gegenüber dem Anderen leben, auch wenn es an vielen Stellen immer noch schwer ist, wird es Stück für Stück leichter damit umzugehen.
Für unsere Tochter bedeutet das allerdings zwei Kitas, zwei Städte und zwei völlig Unterschiedliche Lebensorte die sich im 2 Wochenrhythmus abwechseln.
Ein schwieriges Unterfangen auch für mich. Ich sehe die Sache täglich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil ich viele Zweifel hege, was es für die Zukunft meines Kindes bedeutet. Lachend, weil ich meinen Teil am heranwachsen beitragen darf, für mich persönlich viel dazu lernen kann und somit an mir arbeite.
Wer gerne mehr Details erfahren möchte kann meinen Blog besuchen.
Ich möchte zuletzt Thomas danken, für die Möglichkeit einen Gastbeitrages schreiben zu dürfen.
Ich wünsche und hoffe, dass er seine Arbeit weiterhin mit viel Erfolg krönt und seinen wichtigen Beitrag zur Veränderung des Systems, in der Problematik Trennung mit Kindern, leistet.
Danke an alle Leser
Mit den besten Wünschen !
KasCady"
Ich empfinde es als tolles Beispiel dafür wie gut die dinge Funktionieren können wenn man doch noch zusammen arbeitet!
Alles gute,
Thomas
Freitag, 3. April 2015
Alles anders, alles neu.
Hallo ihr Lieben,
heute freue ich mich sehr euch einen ganz besonderen Leserbrief zu präsentieren. Diesesmal stammt er nicht von einer mir vollkommen fremden Person, nein, dieses mal stammt er von jemandem der einen ganz besonderen Platz in meinem Leben und meinem Herzen einnimmt. Er stammt von meiner neuen Lebengefährtin mit der ich nun seit einiger zeit mein leben teile.
Ich möchte mich an dieser stelle, nochmals, für diesen einblick bedanken. Auch möchte ich mich für die unterstützung, im Privaten wie auch hier, bei dir bedanken.
Alles gute,
Thomas
heute freue ich mich sehr euch einen ganz besonderen Leserbrief zu präsentieren. Diesesmal stammt er nicht von einer mir vollkommen fremden Person, nein, dieses mal stammt er von jemandem der einen ganz besonderen Platz in meinem Leben und meinem Herzen einnimmt. Er stammt von meiner neuen Lebengefährtin mit der ich nun seit einiger zeit mein leben teile.
"Und plötzlich ist alles anders, alles neu
Gerade eben war ich noch Single. Fast sieben Jahre lang war ich allein. Ich war nur auf mich selbst gestellt und lediglich mir selbst gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet. Doch plötzlich ist alles anders. Ich habe einen Mann kennengelernt. Dass er zwei Kinder hat, stört mich nicht. Oder doch?
Voller Vorfreude begebe ich mich auf den Weg zu meinem ersten Kennenlernen mit dem Sohn meines neuen Partners. Doch die anfängliche Vorfreude und Neugier weicht Angst, desto näher ich meinem Fahrtziel komme, der Angst, von dem Sohn nicht akzeptiert, als Fremdkörper und als störend wahrgenommen zu werden. Es schießen tausende Fragen wirr durch meinen Kopf. So sind „Was ist, wenn er mich doof findet?“ und „Haben wir als Paar überhaupt eine Zukunft, wenn die Kinder mich doof finden?“ nur zwei der Fragen, die mich die gesamte Autofahrt über beschäftigen.
Endlich angekommen. Die Nervosität steigt ins Unermessliche. Ich würde vor Angst am liebsten wieder umkehren, da erfahre ich auch noch, dass der Kleine gar keine Lust auf meinen Besuch hat. – Einige werden denken: „Ist doch klar, der Kleine hat Angst, dass er Papa mit der neuen Frau teilen muss“. Dieser Einwurf ist durchaus berechtigt, doch wurde ich nicht als Papas neue Freundin angekündigt, sondern „lediglich“ als Besuch. – „Was nun? […] Umdrehen? […] Es dabei belassen?“ Schließlich will ich nicht das Gefühl vermitteln, mich zwischen Sohn und Papa drängeln zu wollen. „Nein! Da musst du jetzt durch! Wird schon werden“, sage ich mir immer wieder selbst.
Nach einem ersten Beschnuppern ist die anfängliche Skepsis des Kleinen (so gut es geht) verflogen und wir spielen miteinander. Papa lässt uns dabei die meiste Zeit allein, um uns die Möglichkeit zu geben, uns aneinander zu gewöhnen. Ich merke, dass der Kleine mich mag und bin total erleichtert, vor allem aber glücklich. Nach und nach knüpfen wir ein dünnes Band zwischen uns. Es ist zwar noch ein ganz dünnes Band, aber es ist ein Anfang.
Wieder auf dem Weg nach Hause beginnt das Gedankenkarussell von Neuem. „Kann ich mir WIRKLICH eine Zukunft mit einem Mann vorstellen, der bereits zwei Kinder hat?“ Vor allem aber beschäftigt mich die Frage „Welche Rolle werde ich in dieser Familienkonstellation spielen?“
Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass es alles ohne Probleme verläuft. Dies sind keine Probleme auf der Beziehungsebene zwischen meinem Partner und mir. Doch auf welcher Ebene bestehen die Probleme dann? Ganz allein auf meiner ganz persönlichen Ebene.
Ich lasse mich nicht nur auf EINEN neuen Menschen ein, sondern gleich auf DREI Menschen, die bereits eine eingeschworene Gemeinschaft bilden, mit ihren ganz eigenen Regeln und Gesetzen, die eine gemeinsame Vergangenheit haben, die ein eingeschworenes Team sind.
Darüber hinaus ist es vollkommen neu für mich, nicht mehr auf mich allein gestellt und nur für mich „verantwortlich“ zu sein. Da ist auf einmal jemand, den man in all seine Überlegungen und Planungen mit einbeziehen muss. Nein, damit meine ich nicht nur den neuen Partner, sondern auch die Kinder. Früher waren meine Partner und ich „frei“. Wir konnten spontan in den Urlaub fahren, die Nacht zum Tag machen und auch einfach 'mal das ganze Wochenende oder auch eine ganze Woche das Bett nicht verlassen. Das alles geht so nicht mehr. Zumindest nicht in dem Maße, in dem ich es bisher gewohnt war. Jetzt muss geplant werden, wann wir uns wo treffen. Wann hat mein Partner die Kinder bei sich, wann sind sie bei der Mutter? Wie können wir den Kindern eine schöne und spannende Zeit bereiten? Welche Unternehmungen könnten den Tag schöner gestalten?
Das alles ist für Eltern Normalität. Viele werden sich wahrscheinlich fragen „Wo ist das Problem?“ und sich denken „Sie soll sich mal nicht so anstellen, das habe ich JEDEN Tag“. Durchaus richtig, doch für mich ist das mit einem Schlag alles neu. Ich lerne nicht nur einen Mann näher kennen, mit dem ich mir vorstellen kann, sehr viele Jahre meines Lebens zu verbringen, sondern mit einem Schlag eine kleine Familie, auf die ich mich einlassen muss, deren Gepflogenheiten und „Regeln“ ich verinnerlichen muss, wenn ich irgendwann ein Teil von ihr sein möchte. Das scheint lapidar, doch es ist für mich nicht immer leicht. Vor allem, da ich mich immer wieder frage „Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen und kann ich dem gerecht werden, was man von mir 'erwartet'?“ Ich habe nicht nur Angst, etwas falsch zu machen, sondern auch, einen Fremdkörper in diesem kleinen Familienkonstrukt darzustellen – was keinesfalls bedeuten soll, dass mir mein Partner dieses Gefühl auch nur ansatzweise vermittelt. Angst, dieser neuen Situation nicht gewachsen zu sein und einen wunderbaren Menschen und seine wunderbaren Kinder „zu verlieren“.
Ich wage einen Blick in die Zukunft und frage mich: „Was werde ich in den Augen der Kinder für sie sein? Eine (böse) Stiefmutter oder eine Wegbegleiterin, eine Freundin? […] Werde ich von den Kindern (irgendwann) als Familienmitglied akzeptiert und bin ich lediglich ein geduldetes Anhängsel?“ All dies muss die Zeit zeigen.
Doch in einem Punkt bin ich mir bereits heute sicher: Ich MÖCHTE sehr gern ein Teil dieser kleinen Familie sein, mich auf die Regeln und Gepflogenheiten dieser einlassen und mein Leben nicht nur mit dem Papa, sondern auch mit den Kindern teilen."
Ich möchte mich an dieser stelle, nochmals, für diesen einblick bedanken. Auch möchte ich mich für die unterstützung, im Privaten wie auch hier, bei dir bedanken.
Alles gute,
Thomas
Mittwoch, 1. April 2015
Schuld (Teil 1)
Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich etwas zum Thema Schuld schreiben. Wie ihr wisst, führe ich viele Gespräche mit Eltern, die verlassen wurden oder die den Anderen verlassen haben. In diesen Gesprächen fällt mir eines immer wieder auf: Derjenige, der den Anderen verlässt, spricht meist davon, dass der Andere "Schuld" hat. Im Grunde ist das nicht schlimm, es mag ja sogar so sein, dass der Andere Dinge getan hat oder vielleicht auch eben nicht getan hat, die zum Scheitern der Beziehung führten. Oft ist es aber nicht ganz so einfach.
Aber gehen wir einmal kurz davon aus, dass es tatsächlich ein einseitiges Verschulden gibt. Daraus kann/muss der "Unschuldige" seine Konsequenzen ziehen. Dies ist die Trennung an sich. Darüber hinaus hat niemand das Recht, einen Anderen zu "bestrafen". Ein wenig anders ist das natürlich, wenn Gewalt, Misshandlungen oder Ähnliches im Spiel sind. Aber auch hier ist von Selbstjustiz abzuraten. Dafür gibt es Gerichte, denn ein solcher Vorwurf muss nicht nur in den Raum gestellt sein, er muss auch bewiesen werden. Unter normalen Umständen verliert die Frage nach der Schuld aber jede Relevanz, denn die Konsequenzen sind bereits gezogen.
Da es aber in der Realität oft anders ist, möchte ich das Thema Schuld einmal näher beleuchten und stelle mir dazu drei Fragen:
1. Was ist Schuld?
2. Wie empfinden wir schuld?
3. Warum ist immer der andere schuld?
Es gibt drei Ebenen, auf denen Schuld eine Rolle spielt: die persönliche, die gesellschaftliche und die rechtliche. Letztere werde ich nur im Ansatz behandeln, da sie hier wenig von Belangen ist.
Schuld ist, auf der persönlichen und der gesellschaftlichen Ebene, ein erlerntes Konzept, das von den Konventionen unseres persönlichen Umfelds und der Gesellschaft an sich, geformt wird. So wird sich z.B. ein Schlachter selbst nicht in der Schuld sehen, wenn er eine Kuh tötet, denn es ist sein Beruf. Ein vegan lebender Mensch wiederum würde sich sehr wahrscheinlich schuldig fühlen, wenn er eben dieses tun würde, denn für ihn ist es Mord. Warum ist das so? Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von Moral. Diese werden uns von Kindesbeinen an anerzogen. Geprägt werden diese von den Eltern, den Freunden, dem Kulturkreis und unseren eigenen Präferenzen. Das Verletzen dieser Moral führt dazu, dass wir uns schuldig fühlen. So können zwei Menschen, die in einem Haushalt wohnen, sich lieben und ihr Leben miteinander teilen, durchaus unterschiedliche Moralvorstellungen haben und somit auch Schuld unterschiedlich empfinden.
Auch von der Gesellschaft wird Schuld durchaus unterschiedlich empfunden. Ein Singlemann, der häufig wechselnde Sexualpartner hat, wird landläufig als "Checker" angesehen. Eine Singlefrau, die dasselbe macht, wird allerdings ganz anders bezeichnet und angesehen. Paradoxerweise ändert sich das, sobald man in einer Beziehung ist. Ein verheirateter Mann, der aufgrund von sexueller Frustration in der Ehe, fremdgeht, wird als Ehebrecher gesehen. Macht eine Frau dasselbe, aus denselben Gründen, wird auch hier, in der Regel, die Schuld bei dem Ehemann gesucht, denn er hätte sich mehr um die Bedürfnisse der Frau kümmern müssen.
Noch komplexer wird das Ganze, wenn das gesellschaftliche, das rechtliche und das persönliche Empfinden von Schuld kollidieren. Ein amerikanischer Soldat, der im Krieg einen Mann getötet hat, wird in seinem eigenen Land von manchen als Nationalheld gefeiert, von anderen als Mörder gesehen. Er selbst kann dabei schreckliche Schuldgefühle empfinden, die ihn seelisch zerstören können. Vor dem Gesetz wird er als vollkommen unschuldig gesehen.
Ein Mann, der aus Habgier einen anderen tötet, wird von der Gesellschaft und vor dem Gesetz allgemein hin als schuldig gesehen. Er selbst kann sich aber vollkommen unschuldig fühlen. Dafür muss keine geistige Störung vorliegen, es liegt einfach an seinen moralischen Vorstellungen.
Nun müssen wir versuchen zu verstehen, wie wir selbst Schuld empfinden.
Das Bewerten der Frage "Wer hat Schuld?" ist, besonders im Zusammenspiel zweier Individuen, oft eine sehr subjektive Angelegenheit. Dazu möchte ich euch zwei Beispiele nennen.
1. Eine Person hält ein Glas mit Wasser in der Hand und lässt es fallen. Dieses zerschellt am Boden. Ein klarer Fall, die Person ist schuld, dass dieses Glas zerbrochen ist, denn sie hat es losgelassen.
2. Ein Mann und eine Frau halten gemeinsam ein Glas mit Wasser in ihren Händen. Beide verlassen sich darauf, dass der jeweils andere das Glas festhält, und lassen dieses in dieser Annahme los. Das Glas fällt zu Boden und zerbricht. Wer ist schuld? Hier ist die Frage nicht mehr ganz so einfach zu beantworten. Klar, für ihn ist sie schuld, er hat sich ja auf sie verlassen. Klar ist auch, für sie ist er schuld, denn auch sie hat sich auf ihn verlassen. Ich würde behaupten wollen, dass beide zu gleichen Teilen schuldig sind. Die Verfehlung liegt hier aber nicht darin, dass sie das Glas losgelassen haben, sondern dass sie nicht miteinander kommuniziert haben. Hätten sie dies getan, hätten sie sich absprechen können, wer das Glas wann hält.
Hier lässt sich erkennen, wie subjektiv das Empfinden von Schuld und dessen Verteilung sein kann.
Interessant und vor allem hinderlich wird das Ganze dann, wenn nach der Trennung Kinder im Spiel sind. Oft steht das Empfinden von Schuld oder viel mehr das Zuweisen von Schuld, dabei im Weg, Regelungen beispielsweise für den Umgang mit den Kindern zu finden. Hier kommt dann das zum tragen, was ich anfangs bereits erwähnte. Die Konsequenz ist bereits gezogen, man hat sich vom anderen getrennt. Somit ist es nicht mehr relevant, wer an der Trennung Schuld ist oder nicht, denn man hat sich voneinander getrennt, aber nicht von den Kindern.
Oft habe ich beobachtet, dass es immer der Andere sein soll, der die alleinige Schuld an der Trennung trägt. Warum ist das so? Die Medien, die Gesellschaft und auch unser direktes Umfeld suggerieren uns eine Erwartungshaltung. Es wird von uns erwartet, dass alles immer glatt laufen muss. Der Job muss sicher sein, das Einkommen möglichst hoch und die Familie muss harmonisch funktionieren. Erkennen lässt sich das sehr schön daran, dass selbst in den zerstrittensten Familien nach außen hin oft ein Bild der perfekten Harmonie mit allen Mitteln aufrechterhalten wird. Wenn eine Beziehung also scheitert, haben wir versagt. Wir haben uns, unsere Erwartungen und die Erwartungen unseres Umfeldes sowie der Gesellschaft enttäuscht. Für viele, ich würde sogar behaupten wollen, für die meisten, ist das nur sehr schwer bis gar nicht hinnehmbar. So versuchen wir, die Schuld dieses Scheiterns von uns zu weisen. Lasten die Schuld dem anderen auf. Damit versuchen wir uns selbst, unser Umfeld und die Gesellschaft zu belügen. So hört man immer wieder Sätze wie: "Ich war es nicht. Wenn die Umstände nicht [...], dann hätte ich nicht!" oder "Ich bin nicht schuld. Wenn du nicht [...], dann wäre das nicht passiert!"
Damit belügen wir nicht nur uns und unsere Umgebung, nein, wir versuchen auch, unser eigenes Selbstwertgefühl zu stärken. Wir nehmen uns damit aber auch die Chance, aus unseren Fehlern zu lernen. Dafür müssten wir diese Fehler eingestehen, was jedoch ein mögliche Ablehnung oder das Risiko, als Versager abgestempelt zu werden, in sich birgt. Jedoch besteht diese Angst meist nur in unserer eigenen Vorstellung.
"Jeder Fehler, aus dem wir lernen, ist ein Erfolg." - Malcom Forbes.
Das Ganze führt mich persönlich an den Anfang meiner eigenen Trennung zurück. Damals konnte ich nicht verstehen, was geschehen war und für mich war klar, dass es allein ihre Schuld war. Irgendwann wurde mir aber klar, nicht ganz ohne Hilfe, dass es eben nicht einfach nur ihre alleinige Schuld ist. Sie hat Dinge getan, die für mich nicht nachvollziehbar waren und noch immer nicht sind. Ich hingegen habe Dinge getan, die für sie nicht nachvollziehbar sind. Das, was ich getan habe, war für sie so schlimm, dass sie auch nach der Trennung nicht darüber hinwegsehen kann. Was sie tat, war für mich genauso schlimm. So drehten wir uns immer wieder im Kreis, wiesen uns gegenseitig die Schuld zu und konnten die Position des anderen weder sehen noch verstehen.
Als ich aber schließlich erkannte, dass es nicht mehr relevant ist, wer Schuld hat, aufhörte, darüber zu reden und die Schuld an sie abzugeben, besserten sich die Dinge. Langsam aber merklich. Das ist ein Prozess, der immer noch andauert, aber ich denke, es ist der richtige Weg.
So möchte ich euch nun das sagen, was mir damals gesagt wurde, euch das mit auf den Weg geben, was mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin und dazu beigetragen hat, die Dinge zu erreichen, die ich erreicht habe.
"'Wer hat schuld?', ist falsch gedacht! Richtig muss es heißen: 'Wie können wir uns einig sein?'" - Hans-Jürgen Gaugl.
So möchte ich euch ein paar Fragen mit auf den Weg geben:
"Wie definiere ich, für mich selbst, Schuld?"
"Wie viel Schuld trage ich selbst an der Trennung von meinem Ex-Partner?"
"Wie viel Schuld trägt mein Ex-Partner und warum trägt er diese, meiner Ansicht nach?"
"Was kann ich selbst für mich und meine/n Ex-Partner/in tun, um mit dem Schuldgefühl bzw. der Zuweisung dessen, besser umzugehen?"
"Wie kann mir/uns das dabei helfen, einen Konsens zu finden?"
Alles Gute,
Thomas
P.S.: Mein Dank geht an Rene für das Bild.
Copyright by ReNatus-Photographie 2013
Dienstag, 24. März 2015
Ist die Bibel das modernere Familienrecht?
Hallo ihr Lieben, vor Kurzem schrieb ich dies als kleine Vorstellung meiner Person und Darstellung dessen, was ich mit meinem Blog erreichen will. Nun hat mich der Vergleich zur Bibel nicht mehr losgelassen, ich sah noch weitere Parallelen zu ebendieser Schrift. Ich möchte meinen ursprünglichen Ansatz heute wieder aufgreifen und meine weiterführenden Gedanken dazu niederschreiben.
"Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, daß er das Feld baute, davon er genommen ist, und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens."
Ich bin kein bibelfester Mensch, aber in diesem biblischen Text erkennen sich sehr wahrscheinlich sowohl viele Mütter und Väter, als auch ich mich selbst, wieder. Wir sind Adam und werden aus dem Garten Eden, welcher unsere Familie symbolisiert, vertrieben und vom Baum des Lebens, welcher für unsere Kinder steht, getrennt. Fortan werden wir von den Cherubim, in Form von Familiengerichten, Jugendämtern und ehemaligen Familienmitgliedern von ebendiesem Baum ferngehalten. So müssen wir uns durch eine Heerschaar von angeblichen Engeln kämpfen und gegen eine rachsüchtige und scheinbar unantastbare Gottheit, unser eigenes Ego und das unseres Ex-Partners oder unserer Ex-Partnerin, aufbegehren, um noch einmal von diesem Baum kosten zu dürfen.
Kurz gesagt, nach einer Trennung beginnt oft ein Kampf um den Umgang und die Liebe der gemeinsamen Kinder. Wir sollen, ähnlich wie Kain nach dem Mord an seinem Bruder Abel, gezeichnet und aus Eden verbannt werden.
"Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge, wer ihn fände. Also ging Kain von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseit Eden, gegen Morgen."
Nun, ich bin keine biblische Figur. Ich bin ein Vater, nicht mehr und nicht weniger. Mein Name ist Thomas, ich bin 30 Jahre alt und lebe in Scheidung. Ich bin Vater von zwei wundervollen Kindern, die ich nach langem Kampf regelmäßig sehen und betreuen darf. Ich lebe nicht im Lande Nod, jenseits von Eden. Ich lebe in der Doppelresidenz. Das mag vielleicht nicht der besagte Garten sein, aber für mich und meine Kinder ist es unser ganz eigenes Paradies. Ich schreibe diesen Blog, um euch, anhand von Artikeln, die zum Konsens gereichen, meinen Weg zu beschreiben und vorzuleben. Denn, anders als in der Bibel, sind die "Engel" und "Gottheiten", gegen die wir uns zur Wehr setzen müssen, weder allwissend noch allmächtig. Auch bedarf es manchmal, so wie in meinem Fall, keines flammenden Schwertes, um diese zu überwinden, manchmal sind die Taube und der Olivenzweig die besseren Waffen."
Nach einer Trennung kommt immer das Thema Kinderbetreuung auf den Tisch. Oft gibt sich ein Elternteil mit dem klassischen "Residenzmodell" zufrieden, manchmal können Elternteile schlichtweg nicht mehr als dieses umsetzen. Immer öfter wünscht sich ein Elternteil die Doppelresidenz. Der andere Elternteil möchte jedoch das Kind für sich allein behalten und tut es somit einer "Dirne" in dem "Urteil des Salomon" gleich.
"Holt mir ein Schwert!' Man brachte es vor den König. Nun entschied er:
'Schneidet das lebende Kind entzwei, und gebt eine Hälfte der einen und
eine Hälfte der anderen!' Doch nun bat die Mutter des lebenden Kindes
den König - es regte sich nämlich in ihr die mütterliche Liebe zu ihrem
Kind: 'Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind, und tötet es nicht!' Doch
die andere rief: 'Es soll weder mir noch dir gehören. Zerteilt es!' Da
befahl der König: 'Gebt jener das lebende Kind, und tötet es nicht; denn
sie ist seine Mutter.' Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König
gefällt hatte, und sie schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie
erkannten, dass die Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach."
Die Dirne handelt aus rein egoistischen Gründen und würde es dankend in Kauf nehmen, wenn das Kind durch das Schwert, welches hier die Elternentfremdung (P.A.S) symbolisiert, in zwei geteilt werden würde. Der weise König erkennt dies und spricht das Kind der wahren Mutter zu, denn diese würde lieber freiwillig auf ihr Kind verzichten, was mit dem hälftigen Verzicht in der Doppelresidenz gleichzusetzen ist, als dem Kind leid zuzufügen.
Leider sind die Könige, mit denen wir es zu tun haben, nämlich die Richter des Familiengerichtes, oftmals nicht annähernd so weise. Für diese steht symbolisch das Schwert, das Fallbeil in der Doppelresidenz. Das Kind würde ja, zumindest was die Betreuungszeit betrifft, in zwei Hälften geteilt werden. So entscheiden sie, gleich dem König, ohne sich verantworten zu müssen, aber leider auch ohne jede Weisheit, über die Köpfe der Eltern hinweg.
Die tatsächliche Zweiteilung des Kindes wird aber nicht auf der Ebene der Betreuungszeit vollzogen, nein, sie findet auf der seelischen statt, denn immerhin wird dem Kind ein Teil seines Lebens, sei es nun Vater oder Mutter, zum Großteil entrissen. So wird dieses Gleichnis ad absurdum geführt und die Moral der Geschichte auf den Kopf gestellt.
So wäre es doch sinnvoll, ganz im Sinne von Salomon, eine faire Ausgangsposition zu finden. Eine Ebene, auf der sich die getrennten Eltern auf Augenhöhe begegnen können, um so den besten Weg zu finden, denn nur, wenn beide gleichberechtigt sind und den gleichen Stellenwert genießen, können faire und ehrliche Vereinbarungen zum Wohlergehen unserer Kinder getroffen werden. Man stelle sich nur einmal vor, was wir alles für unsere Kinder erreichen könnten, müssten wir uns nicht ständig über alles streiten. Man stelle sich vor, was wir auf einer fairen Ebene für unsere Kinder zustande bringen könnten, sofern wir nur miteinander kommunizieren würden, um einen gemeinsamen Weg zu gehen. Es ist ähnlich dem Turmbau zu Babel.
"Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die
Menschenkinder bauten. Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine
Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt
wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.
Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass
keiner mehr die Sprache des anderen versteht. Der Herr zerstreute sie
von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu
bauen. Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der
Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die
Menschen über die ganze Erde zerstreut."
Denn nichts anderes als das erleben wir auch in unserer modernen Gesellschaft. Unsere Sprache wird durch das Gendern von Begriffen wie "Professor" zu "Profesxx" und anderem, ähnlich wie Gott es beim Turmbau zu Babel getan haben soll, so weit verwirrt, dass sich keiner mehr versteht. Unser Denken wird durch Gender-Studies, Ampel-Frauchen oder der Frauen-Quote in Lager gespalten, die, ähnlich der Verteilung der Menschenvölker über das Antlitz der Erde durch Gott, nicht mehr dazu in der Lage sind, zusammenzuarbeiten. Wir wählen Lager und kämpfen voller Hass und Wut gegen die "andere" Seite. Anstatt uns die Hände zu reichen und aufeinander zuzugehen, schreien wir Hassparolen, wollen Rechte ändern und erzwingen, sehen nur unsere Perspektiven und Meinungen als wahrhaftig und gerecht, lassen kein gutes Haar am anderen und entfernen uns so immer weiter von dem Ziel, das wir alle verfolgen sollten. Was das ist, muss ich euch nicht erzählen.
Würde Salomon als Richter im Familiengericht sitzen, würden wohl einige Entscheidungen ganz anders ausgehen! Ich bitte euch, denkt darüber nach. Stellt euch selbst auch einmal
infrage und versucht, aufeinander zuzugehen.
Alles Gute,
Thomas
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Samstag, 21. März 2015
Die Wahrheit?
Hallo ihr Lieben,
seit ich selbst betroffen bin und diesen Blog schreibe, lese ich immer wieder davon, dass Eltern ihren Kindern die "Wahrheit" sagen. Meist sind es die Elternteile, die ausgegrenzt werden, sich gegen falsche Anschuldigungen behaupten müssen, denen der Umgang zu den Kindern verboten oder erschwert wird und die von ihrem Ex-Partner diffamiert werden. Sie möchten ihre Kinder nicht belügen, sie sehen keinen Grund dazu, denn sie haben ja nichts getan. Alles, was gegen sie vorgebracht wird, ist gelogen.
So sagen sie ihren Kindern beispielsweise:
"Nein Schatz, ich möchte dich immer bei mir haben, nur Mama/Papa will nicht, dass du bei mir bist."
"Mama/Papa hat uns verlassen, deshalb sind wir jetzt allein, denn Mama/Papa hat uns nicht mehr lieb."
"Mama/Papa hat mich angezeigt. Sie/er sagt, ich hätte sie/ihn geschlagen, aber das stimmt nicht."
"Mama/Papa lügt und es geht ihr/ihm nicht um dich, sie/er will nur mich bestrafen. Was du willst, ist ihr/ihm egal!"
Das sind nur einige Beispiele der Wahrheiten, die Kindern, in dem Glauben, man sei im Recht, gesagt werden. Es mag sogar sein, dass es die Wahrheit ist oder das, was wir persönlich als Wahrheit empfinden. Aber ist es sinnvoll, Kinder mit so etwas zu konfrontieren? Ich verstehe den Impuls, die Wahrheit sagen zu wollen. Mir ging es anfangs nicht anders. Es ist eine ganz natürliche Reaktion, denn man hat ja nichts von alledem, was einem angelastet wird, getan. So sagt man sich selbst: "Ich bin nicht wie die/der Ex. Ich sage die Wahrheit und lasse mich nicht auf ihr/sein Niveau herab". Man sollte die Kinder nicht belügen und ehrlich währt bekanntlich am längsten, so redet man sich zumindest selbst immer wieder ein.
Hierbei werden allerdings einige Denkfehler begangen.
Erstens: Die Kinder werden mit demselben Maß genommen, wie man es bei einem Erwachsenen tun würde. So denkt man: Jemand erzählt eine Lüge über mich, also stelle ich die Dinge klar. Kinder nehmen so etwas allerdings ganz anders auf als wir Erwachsene. Den Kindern fehlt meist das Verständnis der Situation, sie können nicht bewerten, was wahr ist und was gelogen. So sehen sie nur: "Mama redet schlecht über Papa und/oder Papa redet schlecht über Mama." So sagt vielleicht einer von beiden die Wahrheit und fühlt sich somit im Recht, doch beide tun ihrem Kind das Gleiche an. Sie bringen es in einen Interessenkonflikt, den es nicht bewältigen kann. Sie zwingen das Kind, sich entscheiden zu müssen. "Wem soll ich glauben?" Sollte man ein Kind wirklich vor eine solche Entscheidung stellen? Wäre es nicht sinnvoller, diesen Kreislauf zu durchbrechen, sich selbst rauszunehmen, dem Kind Geborgenheit, einen festen Halt, Liebe und die Gewissheit zu geben, dass es beide lieben darf? Dies bewirkt bei Kindern weitaus mehr und vor allem wirkt es nachhaltiger als die "Wahrheit".
Anmerkung: Der Fehler, der hier begangen wird, ist derselbe, den viele Gegner der Doppelresidenz begehen. Auch diese behandeln Kinder nach den Maßstäben eines Erwachsenen. Das Lieblingsargument ist hier: "Die ständigen Wechsel bringen Unruhe in das Leben des Kindes". Vergessen wird hier, dass Kinder die Welt ganz anders erleben als wir Erwachsenen. Mein Lieblingsbeispiel ist diesbezüglich immer wieder das unterschiedliche Empfinden von Zeit. Wisst ihr noch, damals, als ihr Sommerferien hattet? Diese 6 Wochen waren so unglaublich lang. Man hatte fast ein ganzes Leben Zeit, um all die Dinge zu tun, die man während der Schule nicht tun kann. Doch wie ist das heute? Wenn ich darüber nachdenke, wie lang mir diese 6 Wochen im Alter von 12 Jahren vorgekommen sind, sind diese Wochen heute, im Alter von 30 Jahren, schon fast wieder vorbei. Wie muss sich dann ein Tag für einen Dreijährigen anfühlen? Oder gar eine ganze Woche?
Zweitens: Sagt man seinem Kind die Wahrheit über das, was die/der Ex macht, so ist man auf demselben Niveau wie ebendiese/ebendieser. Dabei ist es vollkommen irrelevant, ob ihr "nur" die Wahrheit sagt und ob eure Intentionen rein sind. Hier zählt nur, was ihr eure Kinder durchmachen lasst und was nicht, denn am Ende geht es bei solchen Dingen, und das ist es, was die meisten nicht verstehen oder wahrhaben wollen, nicht um euch, sondern es geht um eure Kinder.
Ich kann, wie immer, nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. In meiner Trennung gab es mehr als genug "Wahrheiten", die ich meinen Kindern hätte erzählen können. Diese gibt es auch weiterhin. Spricht mein Sohn mich auf so etwas an, versuche ich einfühlsam zu sein. Sagt er zum Beispiel: "Mama sagt, du bist ein Lügner", dann sage ich nicht "Mama ist selbst eine Lügnerin. Glaube ihr kein Wort davon, mein Sohn". Nein, ich frage ihn: "Was denkst du? Wie fühlst du dich dabei? Möchtest du darüber reden?" Mein Sohn antwortete in ebendieser Situation: "Nein Papa, ich glaube das nicht. Zu mir bist du immer ehrlich. Du bist mein Papa und mein bester Freund". Er war im Übrigen in dieser Situation gerade einmal 3 Jahre alt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, was ich meinen Kindern vorlebe, denn so und nur so können wir unseren Kindern vermitteln, wer wir sind.
Im Zimmer meiner Kinder steht ein Foto meiner Ex-Frau. Hätte ich eines von ihrem neuen Lebensgefährten, würde auch dieses dort stehen, denn sie ist ihre Mutter und ihr neuer Partner ist ein fixer Punkt im Leben meiner Kinder. Sie dürfen sie lieb haben, auch wenn mir das wehtun könnte.
Sagt mein Sohn am Ende des Umgangs: "Ich will nicht zu Mama, ich möchte lieber noch bei dir sein, Papa", dann sage ich ihm "Ich hätte dich auch gerne noch länger hier, mein Schatz, aber Mama freut sich doch auf dich. Max Mustermann kommt euch doch sicher auch besuchen. dann könnt ihr zusammen spielen, das wird bestimmt toll! Außerdem sehen wir uns ganz bald wieder! Versprochen!"
Nach der Trennung habe ich gemeinsam mit meinem Sohn "Erinnerungsarmbänder" gebastelt. Eines für ihn, eines für mich und eines für seine Mutter. Er hat sein Armband getragen, bis er es eines Tages nicht mehr finden konnte. Was damit geschehen ist, kann ich nur vermuten. Sie hat ihres, laut Aussage meines Sohnes, in den Müll geworfen. Ich gehe davon aus, dass seines dasselbe Schicksal ereilt hat. Aber das ist am Ende egal, denn ich zeige ihm damit, dass er uns beide lieb haben darf. Sie hingegen zeigt ihm das Gegenteil. So kommt es nicht von ungefähr, dass er nach jedem Umgang lieber bei mir bleiben mag.
Dies ist nicht nur ein Weg, eurem Kind Leid, Zerrissenheit und Schmerz zu ersparen. Es ist auch der beste Weg, um Entfremdungsversuchen entgegenzuwirken.
Anstatt der "Wahrheit" solltet ihr euren Kindern lieber sagen:
"Ich hab dich ganz doll lieb!"
"Du bist etwas ganz, ganz Besonderes!"
"Das hast du toll gemacht!"
"Ich glaube an dich, du schaffst das!"
"Ich bin stolz auf dich!"
Wenn ihr das gelesen habt und euch selbst erkennt, denkt mal darüber nach ...
Alles Gute,
Thomas
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Montag, 16. März 2015
Handsigniert - für meine treuen Leser!
Hallo ihr Lieben,
ich freue mich sehr, euch heute etwas Besonderes zu präsentieren. Danielle Gebur hat mir ein signiertes Exemplar ihres Buches "Erziehung im Wechselmodell: Trennungskinder und gelungene Erziehungspartnerschaft" zur Verfügung gestellt, welches ich an euch verlosen möchte! Um teilzunehmen müsst ihr lediglich meine Facebookseite liken und diesen Beitrag teilen. Der Gewinn wird dann per Zufall unter allen Teilnehmern verlost. Das Ganze läuft bis zum 23.03.2015 (12 Uhr). Der Gewinner wird dann von mir benachrichtigt.
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Dienstag, 10. März 2015
Trennung/Mediation
Hallo meine Lieben,
ich bin's mal wieder. Heute möchte über das Thema „Trennung und Mediation“ sprechen. Ich habe mir mittlerweile einige Trennungsgeschichten angehört und viele Eltern in ihren Trennungen begleitet. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, die immer wieder auftreten.
In den meisten fällen trennt sich der eine vom anderen. Derjenige, der sich trennt, ist meist schon ein paar Schritte weiter als der, von dem sich getrennt wird. So kommt es immer wieder zu Missverständnissen.
Beispiel: Die Frau trennt sich vom Mann. Dieser Mann beklagte sich bei mir, dass seine Ex von ihrem Leben erzählt. Beispielsweise, was sie am Wochenende gemacht hat, wie es ihr geht und was sie mit den Kindern geplant hat. Für ihn war es vollkommen unverständlich, wie sie ihm so etwas erzählen kann. Er möchte darüber nichts wissen. Für ihn stellte sich nur eine Frage: Wenn sie ihn weiterhin als Teil ihres Lebens haben will, wieso trennt sie sich dann? Für ihn war das Verhalten seiner Ex pure Provokation und Folter. Dementsprechend hat er darauf reagiert. Er wurde wütend und sagte ihr: "Mich interessiert es nicht, was in deinem Leben passiert. Das ist mir sch*** egal!"
Für sie ist es wiederum vollkommen unverständlich, wie er so reagieren kann. Immerhin haben sie einmal ihr leben miteinander verbracht und haben auch gemeinsame Kinder. So ist es in ihren Augen doch nur verständlich, dass sie sich eine freundschaftliche Basis behalten sollten. Dazu gehört für sie nun einmal auch der sogenannte "Small Talk". Die Reaktion des Mannes signalisiert der Ex Folgendes: "Du bist mir egal, ich hasse dich und will dich aus meinem Leben streichen."
Und da haben wir den Salat! Beiden fehlt die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Sie ist in der Trennung schon so weit zu sagen: "Gut, unsere Beziehung ist gescheitert. Unsere Elternschaft hat damit aber nichts zu tun." Er hingegen ist noch nicht so weit. Er hat noch damit zu kämpfen, dass er seine Frau verloren hat. Beide reagieren auf den jeweils anderen und schaukeln sich hoch, immer weiter. Bis dann ein echter Krieg ausbricht.
Noch ein Beispiel: Der Mann trennt sich von der Frau. Sie fühlt sich im Stich gelassen, sieht sich jetzt als "alleinerziehend" und bekommt das auch von allen Seiten so vermittelt. Auch von ihm. Das denkt sie zumindest, denn er hat sie ja mit den Kindern allein gelassen. Vielleicht denkt sie auch: "Er hat sich vor der Verantwortung als Vater und Ehemann gedrückt.“ Es kommt zu folgender Situation: Der Mann möchte Umgang mit den Kindern. Doch sie unterbindet das. Warum? Sie fühlt sich im Stich gelassen, denn er hat sie und die Kinder verlassen. So hat sie Angst davor, vielleicht auch nur unterbewusst, dass er die Kinder irgendwann "wieder" sitzen lässt. Sie will die Kinder also davor beschützen. Was ja, im Grunde genommen, eine gute Sache ist. Er gibt aber nicht auf und fängt an, um die Kinder zu kämpfen. Sie wertet das aber nicht als den Wunsch, weiterhin Vater sein zu können, sondern als Machtspiel des Ex.
Für ihn ist es jedoch ganz anders. Er war in der Beziehung vielleicht nicht mehr glücklich, hat auch keinen Weg gesehen, daran etwas zu ändern. Also hat er sich, in seinem Streben nach Glück, schweren Herzens von seiner Frau getrennt. Keineswegs aber von seinen Kindern. So möchte er nun auch nach der Trennung als Vater für seine Kinder da sein. Dies wird ihm verweigert und er kann die Gründe dafür nicht verstehen. Er sieht die Intention seiner Ex-Frau nicht. Wie auch? Er hat das, was sie ihm vorwirft, nie getan, jedenfalls nicht in seiner Wahrnehmung der Trennung. So wird er, verständlicherweise, wütend, dass seine Ex ihm die Kinder vorenthält. In seiner Wut und seiner Verzweiflung wendet er sich an einen Anwalt und klagt gegen seine Ex. Für ihn ist das Handeln und Vorgehen seiner Ex nicht der Wunsch, die Kinder vor einer Enttäuschung in der Zukunft zu schützen. Für ihn ist es ein Machtspiel der Ex.
Da haben wir den Salat schon wieder, aber dieses Mal mit Dressing! Beiden fehlt, genau wie im ersten Beispiel, die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Als Dressing kommt dazu, dass beide es nicht schaffen, besser gesagt nicht schaffen können, miteinander zu reden. So bricht auch hier ein Krieg aus. Dieser wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Gewinnen kann ihn niemand, denn die, die am wichtigsten sind leiden. Egal wer am Ende gewinnt, die Kinder verlieren. Das Ganze habe ich so ähnlich schon in Sender und Empfänger beschrieben.
Wenn also die Eltern nicht in der Lage sind, miteinander zu reden, sich auf den anderen einzulassen, zu sehen, dass das Gegenüber vielleicht doch nicht einfach nur böse oder egoistisch ist, was bleibt da noch außer Krieg?
Manche sagen nun: Alle Macht der Mutter, so kann der Vater keinen Krieg führen.
Andere sagen: Alle Macht dem Vater, so kann die Mutter keinen Krieg führen.
Ich sage: Mediation!
Wenn in den oben von mir beschriebenen Situationen ein zertifizierter Mediator, der fähig und up to date ist, der den Eltern die Position des jeweils anderen hätte klarmachen können, anwesend gewesen wäre, hätte man den "Krieg" umgehen können.
So kommen wir zum Kern der Sache. Eltern, die sich voneinander trennen, brauchen Hilfe. Damit meine ich keine "Familienberatung" oder den "Psychologischen Dienst" des Jugendamtes. Sie brauchen Mediation. In der Familienberatung sitzen häufig Sozialarbeiter, die nur sehr selten eine tatsächlich psychologische Ausbildung genossen haben. Nehmen wir einmal an, man hat Glück und dort sitzt jemand vom Fach, was einem Lottogewinn gleichkommt, dann hat dieser einen ganz anderen Hintergrund als ein Mediator. Natürlich ist dieser Hintergrund nicht schlechter, aber für die Situation eher ungeeignet, denn es geht hier nicht darum, eine gemeinsame Basis zu finden, einen Konsens sonder darum, eine Störung des sozialen Umfeldes der Familie festzustellen, zu lindern oder zu heilen. Ähnliches gilt für den Psychologischen Dienst des Jugendamtes. Beides kann natürlich sinnvoll sein, aber ich bin der Ansicht, dass eine echte Mediation vorzuziehen ist.
Hier wird jemand gebraucht, der ein Gespräch so zu führen vermag, dass die (eigentlichen) "Gegner" selbstständig und eigenverantwortlich zu dem Schluss kommen, was das Gegenüber eigentlich will, denn so und NUR so kann ein Konsens, eine Lösung gefunden werden, bei der keiner als Verlierer dasteht.
Was genau Mediation ist und wie man leicht selbst erkennen kann, ob man diese braucht oder nicht, beschreibt Hans-Jürgen Gaugl sehr geschickt in seinem Artikel. Mediation – was ist das und wann kann das helfen?
Ein Nachtrag: JEDER darf sich in Deutschland "Mediator" schimpfen! So solltet ihr immer darauf achten, dass dieser die Bezeichnung "ZERTIFIZIERTER MEDIATOR" trägt. Wenn ein Anwalt nebenher Mediation anbietet, solltet ihr besonders vorsichtig sein, denn Konsens und die Tätigkeit des Anwalts an sich stehen im krassen Gegensatz zueinander.
Ich wünsche euch alles Gute,
Thomas
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