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Montag, 6. April 2015

Das Autobahnkind.


Hallo ihr Lieben,

vor kurzem habe ich diesen Gast.Beitrag von Kas Cady, dem Auto von dem Blog "Autobahnkind", bekommen. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen.



"Lange habe ich überlegt wie ich diesen Artikel für den Rosenkriegblog schreiben bzw. verfassen soll. Viele Details habe ich auf meinem Blog bereits veröffentlicht, viele Negativitäten, die ich hier einfach auslassen werde. Letzten Endes hat das Gute gesiegt und ich hoffe inständig das sich die Harmonie halten wird, aber dazu jetzt mehr.
Was ich hier schildere ist meine subjektive Sicht und deckt sich nicht zwangsläufig mit der Sichtweise anderer beteiligter Personen.



Wie bei fast allen Betroffenen begann auch bei mir alles mit einer Trennung; einer Trennung die ich des Kindeswegen sehr weit aufgeschoben habe. Die Suche nach den Gründen habe ich längst aufgegeben, es macht kein Sinn in der Vergangenheit zu wühlen und nach dem Wieso und Warum zu fragen. Gerade wenn beide Trennungsparteien heute das gleiche Gefühl dazu haben. Ein Gefühl das es aus persönlicher Sicht für beide das Beste war.

Einzig die „Schwierigkeit“ des gemeinsamen Kindes und die gemeinsame Sorge in der Zukunft, entfachten danach einen monatelangen Konflikt, der sich in seiner Struktur in immer abartigere Gründe vertiefte.

Mein erster Schritt nach der Trennung war ein sehr gewagter:

Ich habe meine „Heimat“, mein „Trümmerfeld“, verlassen um mich weit weg allen Geschehens in Düsseldorf niederzulassen.

Ich kämpfte mit Depression und suizidalen Gedanken und mein Ziel war es Ruhe zu finden, zu mir zu finden und mich irgendwie zu sammeln, um alles was in den letzten Jahren passiert ist zu verarbeiten und hinter mir zu lassen. Einzig stechender Schmerz war meine Tochter, die ich zu diesem Zeitpunkt bei der Mutter lies. Was mich dazu bewogen hat weiß ich nicht. Vielleicht war es Mitgefühl, manch einer mag es Dummheit nennen oder einfach nur Naivität, dass es irgendwie schon wird.



Die ersten 3 Monate liefen super und ich war alle 2 Wochenenden bei meiner Tochter. Wir planten eine Art Wechselmodell, das vorsah mein Kind eine Woche bei mir zu betreuen, doch machte uns der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung und ich bekam keine Betreuung für meine Tochter organisiert. Leider kamen damit auch die ersten Schwierigkeiten und ich spürte die Distanzierung der Mutter. Die Probleme häuften sich und erste Termine beim Jugendamt wurden gemacht. Ich teilte meine Sorge mit, dass die Mutter überfordert sei und meine Hilfe nicht annimmt. Die  Mutter schilderte ihre Sorge dass ich unser Kind mitnehme und nicht wieder bringe, und schon kam die Maschinerie ins Rollen. In feinster Dokumentationsarbeit wurden jetzt Termine mit dem Jugendamt vereinbart über die Abhol- und Bringzeiten. Ich hielt mich an alle Absprachen und irgendwann konnte auch das Amt die Angst der  Mutter nicht mehr verstehen. In dieser Zeit machte sie auch einen Wunsch deutlich, den ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Sie wollte ihre Ausbildung abbrechen um in ihre alte Heimat, nach Berlin zu ziehen. Jetzt sollten mich nicht mehr 300 km von meiner Tochter trennen, sondern 600 km und dem konnte ich nicht zustimmen.

Ich führte Gespräche mit ihr, in denen es darum ging wie ich es anstellen solle in Zukunft meine Tochter zu sehen. Doch es war bereits zu spät und so manifestierte sich die Einstellung, dass es allein mein Problem sei. Die Angst, die resultierend daraus in mir wuchs, wurde zu Zorn und ich fokussierte mich nur noch auf die Fehler die die Mutter machte. Als ich darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass der Zustand meines Kindes an Verwahrlosung grenzt, war es bei mir vorbei. Noch am selben Tag fuhr ich kurzer Hand zu ihr um dem ein Ende zu setzen. Der absolute Streit brach aus, der am Ende dieses Abends nur noch durch die Polizei vermittelt werden konnte. Sie lies nicht zu dass ich meine Tochter an diesem Tag sehe, geschweige denn die Vorwürfe an diesem Tag geklärt werden konnten.

Kurz darauf bekam ich Post von ihrem Anwalt, der das Verfahren einleitete mir das Sorgerecht zu entziehen, damit die Mutter ohne meine Zustimmung nach Berlin ziehen kann. Mir wurde vorgeworfen mein Kind geplant entführen zu wollen, sowie die Mutter emotional zu erpressen. Ich war geschockt und todtraurig über diesen Vorwurf und haderte mit mir.

Das Jugendamt, welches immer noch neutral der Sache gegenüber Stand, und andere Beratungsstellen rieten mir dringend einen Anwalt zu beauftragen, um nicht von vornherein unter zu gehen.

Kurze Zeit später saßen wir vor Gericht. Die Mutter hatte in der Zeit den Anwalt zu einer Anwältin gewechselt, welche noch viel ekliger und aggressiver in den Prozess ging.

Einen ganzen Frühling und Sommer zog sich das Schauspiel hin und ich möchte in keinster Weise darauf eingehen, da dieser Prozess tiefe und schmerzliche Wunden gerissen hat, an denen ich heute noch mit psychotherapeutischer Hilfe zu arbeiten habe.

Vor der letzten Verhandlung, ohne Verfahrensbeistand und Gutachter, sprach ich mit der Mutter, was komischer Weise immer noch möglich war und sagte ihr ganz klar: Das dies mein letzter Prozess wird, egal welchen Ausgang er hat. Ich hatte keine Kraft mehr und sah der Aussichtslosigkeit, in Anbetracht der Rechtslage in Deutschland entgegen.

Ich schilderte ihr welchen Weg ich nehmen werde. Das ich mich, so weh es tut, zurückziehe, den Unterhalt zahle und hoffe das meine Tochter in ferner Zukunft den Kontakt zu mir sucht um sich vielleicht auch meine Sicht zu den Ereignissen schildern zu lassen. Ich habe nicht bemerkt was es in ihr ausgelöst hat.

Während der Verhandlung sprachen wir über die Möglichkeiten in der Zukunft, denn es gab aus rechtlicher Sicht keinen Grund mir das Sorgerecht oder auch nur einen Teil dessen zu entziehen.

Ich erklärte daraufhin der Richterin den Sachverhalt bezüglich des eigentlich geplanten Wechselmodells und schon drehte sich alles in eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte.

Jetzt redeten wir nicht mehr über den Entzug des Sorgerechts, sondern über die Ausführung des Paritätsmodells aus dieser Distanz.

Die Mutter willigte gegen den Rat ihrer Anwältin ein und wir hatten eine solide Grundlage

für die Ausübung des Modells zwischen Berlin und Düsseldorf.

Nach der Verhandlung sprachen wir noch einmal miteinander, aber dieses Mal auf einer anderen Basis.

Irgendwie habe ich heute das Gefühl, wir beide bereuten wie dieser Konflikt eskaliert ist.

Leider konnte unser Rechtssystem keine Ruhe geben und die Anwälte stritten sich über Formulierungen im Protokoll, welches das Gericht nach dem Prozess anders verfasste als besprochen, bis in den Winter. Ich wollte das alles nicht mehr und bat die Mutter um ein letztes Gespräch zu diesem Thema.

Wir beide entschieden uns die Mandate zu entziehen um der Sache endlich die Ruhe zu geben die längst überfällig war. Wir trafen wieder eigene Einigungen und Entscheidungen, ohne Streit und ohne Dritte.

Wir bauen heute mit jedem Wechsel und jedem Telefonat unsere Elternbasis aus. In diesem Jahr haben wir den 4. Geburtstag unserer Tochter zusammen gefeiert.

Respekt und Akzeptanz ist das, was wir heute gegenüber dem Anderen leben, auch wenn es an vielen Stellen immer noch schwer ist, wird es Stück für Stück leichter damit umzugehen.



Für unsere Tochter bedeutet das allerdings zwei Kitas, zwei Städte und zwei völlig Unterschiedliche Lebensorte die sich im 2 Wochenrhythmus abwechseln.

Ein schwieriges Unterfangen auch für mich. Ich sehe die Sache täglich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil ich viele Zweifel hege, was es für die Zukunft meines Kindes bedeutet. Lachend, weil ich meinen Teil am heranwachsen beitragen darf, für mich persönlich viel dazu lernen kann und somit an mir arbeite.



Wer gerne mehr Details erfahren möchte kann meinen Blog besuchen.



Ich möchte zuletzt Thomas danken, für die Möglichkeit einen Gastbeitrages schreiben zu dürfen.

Ich wünsche und hoffe, dass er seine Arbeit weiterhin mit viel Erfolg krönt und seinen wichtigen Beitrag zur Veränderung des Systems, in der Problematik Trennung mit Kindern, leistet.



Danke an alle Leser

Mit den besten Wünschen !

KasCady"

Ich empfinde es als tolles Beispiel dafür wie gut die dinge Funktionieren können wenn man doch noch zusammen arbeitet!

Alles gute,
Thomas

Freitag, 3. April 2015

Alles anders, alles neu.

Hallo ihr Lieben,

heute freue ich mich sehr euch einen ganz besonderen Leserbrief zu präsentieren. Diesesmal stammt er nicht von einer mir vollkommen fremden Person, nein, dieses mal stammt er von jemandem der einen ganz besonderen Platz in meinem Leben und meinem Herzen einnimmt. Er stammt von meiner neuen Lebengefährtin mit der ich nun seit einiger zeit mein leben teile.



"Und plötzlich ist alles anders, alles neu

Gerade eben war ich noch Single. Fast sieben Jahre lang war ich allein. Ich war nur auf mich selbst gestellt und lediglich mir selbst gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet. Doch plötzlich ist alles anders. Ich habe einen Mann kennengelernt. Dass er zwei Kinder hat, stört mich nicht. Oder doch?

Voller Vorfreude begebe ich mich auf den Weg zu meinem ersten Kennenlernen mit dem Sohn meines neuen Partners. Doch die anfängliche Vorfreude und Neugier weicht Angst, desto näher ich meinem Fahrtziel komme, der Angst, von dem Sohn nicht akzeptiert, als Fremdkörper und als störend wahrgenommen zu werden. Es schießen tausende Fragen wirr durch meinen Kopf. So sind „Was ist, wenn er mich doof findet?“ und „Haben wir als Paar überhaupt eine Zukunft, wenn die Kinder mich doof finden?“ nur zwei der Fragen, die mich die gesamte Autofahrt über beschäftigen.

Endlich angekommen. Die Nervosität steigt ins Unermessliche. Ich würde vor Angst am liebsten wieder umkehren, da erfahre ich auch noch, dass der Kleine gar keine Lust auf meinen Besuch hat. – Einige werden denken: „Ist doch klar, der Kleine hat Angst, dass er Papa mit der neuen Frau teilen muss“. Dieser Einwurf ist durchaus berechtigt, doch wurde ich nicht als Papas neue Freundin angekündigt, sondern „lediglich“ als Besuch. – „Was nun? […] Umdrehen? […] Es dabei belassen?“ Schließlich will ich nicht das Gefühl vermitteln, mich zwischen Sohn und Papa drängeln zu wollen. „Nein! Da musst du jetzt durch! Wird schon werden“, sage ich mir immer wieder selbst.

Nach einem ersten Beschnuppern ist die anfängliche Skepsis des Kleinen (so gut es geht) verflogen und wir spielen miteinander. Papa lässt uns dabei die meiste Zeit allein, um uns die Möglichkeit zu geben, uns aneinander zu gewöhnen. Ich merke, dass der Kleine mich mag und bin total erleichtert, vor allem aber glücklich. Nach und nach knüpfen wir ein dünnes Band zwischen uns. Es ist zwar noch ein ganz dünnes Band, aber es ist ein Anfang.

Wieder auf dem Weg nach Hause beginnt das Gedankenkarussell von Neuem. „Kann ich mir WIRKLICH eine Zukunft mit einem Mann vorstellen, der bereits zwei Kinder hat?“ Vor allem aber beschäftigt mich die Frage „Welche Rolle werde ich in dieser Familienkonstellation spielen?“

Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass es alles ohne Probleme verläuft. Dies sind keine Probleme auf der Beziehungsebene zwischen meinem Partner und mir. Doch auf welcher Ebene bestehen die Probleme dann? Ganz allein auf meiner ganz persönlichen Ebene.

Ich lasse mich nicht nur auf EINEN neuen Menschen ein, sondern gleich auf DREI Menschen, die bereits eine eingeschworene Gemeinschaft bilden, mit ihren ganz eigenen Regeln und Gesetzen, die eine gemeinsame Vergangenheit haben, die ein eingeschworenes Team sind.

Darüber hinaus ist es vollkommen neu für mich, nicht mehr auf mich allein gestellt und nur für mich „verantwortlich“ zu sein. Da ist auf einmal jemand, den man in all seine Überlegungen und Planungen mit einbeziehen muss. Nein, damit meine ich nicht nur den neuen Partner, sondern auch die Kinder. Früher waren meine Partner und ich „frei“. Wir konnten spontan in den Urlaub fahren, die Nacht zum Tag machen und auch einfach 'mal das ganze Wochenende oder auch eine ganze Woche das Bett nicht verlassen. Das alles geht so nicht mehr. Zumindest nicht in dem Maße, in dem ich es bisher gewohnt war. Jetzt muss geplant werden, wann wir uns wo treffen. Wann hat mein Partner die Kinder bei sich, wann sind sie bei der Mutter? Wie können wir den Kindern eine schöne und spannende Zeit bereiten? Welche Unternehmungen könnten den Tag schöner gestalten?

Das alles ist für Eltern Normalität. Viele werden sich wahrscheinlich fragen „Wo ist das Problem?“ und sich denken „Sie soll sich mal nicht so anstellen, das habe ich JEDEN Tag“. Durchaus richtig, doch für mich ist das mit einem Schlag alles neu. Ich lerne nicht nur einen Mann näher kennen, mit dem ich mir vorstellen kann, sehr viele Jahre meines Lebens zu verbringen, sondern mit einem Schlag eine kleine Familie, auf die ich mich einlassen muss, deren Gepflogenheiten und „Regeln“ ich verinnerlichen muss, wenn ich irgendwann ein Teil von ihr sein möchte. Das scheint lapidar, doch es ist für mich nicht immer leicht. Vor allem, da ich mich immer wieder frage „Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen und kann ich dem gerecht werden, was man von mir 'erwartet'?“ Ich habe nicht nur Angst, etwas falsch zu machen, sondern auch, einen Fremdkörper in diesem kleinen Familienkonstrukt darzustellen – was keinesfalls bedeuten soll, dass mir mein Partner dieses Gefühl auch nur ansatzweise vermittelt. Angst, dieser neuen Situation nicht gewachsen zu sein und einen wunderbaren Menschen und seine wunderbaren Kinder „zu verlieren“.

Ich wage einen Blick in die Zukunft und frage mich: „Was werde ich in den Augen der Kinder für sie sein? Eine (böse) Stiefmutter oder eine Wegbegleiterin, eine Freundin? […] Werde ich von den Kindern (irgendwann) als Familienmitglied akzeptiert und bin ich lediglich ein geduldetes Anhängsel?“ All dies muss die Zeit zeigen.


Doch in einem Punkt bin ich mir bereits heute sicher: Ich MÖCHTE sehr gern ein Teil dieser kleinen Familie sein, mich auf die Regeln und Gepflogenheiten dieser einlassen und mein Leben nicht nur mit dem Papa, sondern auch mit den Kindern teilen."

Ich möchte mich an dieser stelle, nochmals, für diesen einblick bedanken. Auch möchte ich mich für die unterstützung, im Privaten wie auch hier, bei dir bedanken.

Alles gute,
Thomas

Freitag, 6. März 2015

Für ein selbstverständliches Wechselmodell


Hallo ihr Lieben,

wie die meisten von euch wissen suchte und suche ich nach Gastautoren. Dazu hat mich nun die zweite Zuschrift erreicht. Es ist ein sehr selbstloses und beeindruckendes Beispiel dafür wie es laufen kann, wenn die Eltern sich selbst hinten anstellen. Auch diese Mutter möchte Anonym bleiben und das werde ich, wie immer, respektieren.

Einige werden sich nun fragen "Wieso stellt er nur positive Beispiele Online?". Die antwort darauf ist einfach. Ich habe bisher keine nefgativ Beispiele bekommen ;-)


"Drei Mädels heulten hemmungslos. Die Beiden, 6 und 8, hatten Angst, ihren Papa zu verlieren. Ich, nicht mal 30, verlor meinen Mann. Nach knapp 10 Jahren war die Beziehung nicht mehr zu retten. Man wurde sich fremd und beschloss gemeinsam, dass getrennte Wege gegangen werden. Und die Mädchen bestimmten wie: „Wir wollen bei Mama und Papa“ bleiben. 
Da gab es keine Diskussion und der Schmerz unserer Töchter war so heftig, dass wir es nicht wagten, das in Frage zu stellen.

Heute, fast sieben Jahre später blicke ich zurück. Immer noch manchmal mit Tränen in den Augen, die vor allem dann kommen, wenn ich an die harte und anstrengende Zeit denke. Loslassen. Hoffen. Doch noch lieben. Verfluchen. Wenn die eigenen Gefühle ein Pendel sind, könnte es nicht maximaler ausschlagen. Schnell wurde mir klar – der einzige Maßstab, der für mich gelten muss, das sind die Bedürfnisse meiner Töchter. Meine Verletzungen, meine Ängste, mein Wunsch, ihn zu vergessen, haben hinten anzustehen. 
Lilly und Lara lieben ihren Papa über alles. Und sie lieben mich über alles. Dafür lebten wir ab dem ersten Tage der Trennung das Wechselmodell. Damals wussten wir nicht, dass der wochenweise Wechsel einen Namen hat. 
Unsere Mädels forderten dies ein und wir fügten uns. Ja, manchmal war es einfach nur FÜGEN. Ich ertrug es manchmal nur schwer, wenn die Sachen nach Papa rochen, wenn sie vom Urlaub schwärmten, von seiner tollen Frau, der neuen Wohnung. Es tat so weh. Ich war zerrissen. Und vor allem die Große, Lilly, spürte es. Ich konnte nur ehrlich sein: „Lilly, es tut weh, auch ich muss loslassen, deswegen bin ich manchmal traurig. Aber das muss ich mit mir ausmachen. Und ich will, dass ihr Papa liebt, ohne Angst zu haben, dass es mich verletzt“. Sie verstand es, nahm mich in den Arm und schwor, dass ich die beste Mama der Welt bin. 
Der Weg bis zur Scheidung war die Hölle. Ohne psychologische Begleitung wäre ich wohl kaum durchgekommen. Wie sagte er zu mir: „Ihren Weg müssen Sie selber gehen, ich kann nur die Rettungsleine halten und mit Ihnen auf der Karte schauen, welche Wege in Frage kämen“. 

Gemeinsam erkämpften wir uns diesen Weg. Weit bin ich gekommen, sehr weit. Ich schaue in den Spiegel und bin stolz auf mich. Meine Mädchen haben allergrößtes Vertrauen zu mir. Den Mut, auch Wahrheiten zu sprechen, die weh tun. Zu sagen, dass sie mehr Zeit mit Papa und seiner neuen Frau verbringen wollen. Weil sie dort eine richtige Familie sind, mit ihrer Stiefmama. 
Manche Wochen bin ich noch viel länger als Halbzeit alleine. Lasse mal die eine und dann auch wieder die andere Motte los. Lasse sie ziehen, weil ich weiß, dass sie wiederkommen. Stark und frei. Stolz und ehrlich. Ein bisschen älter und wunderschön kommen sie zurück. Was man liebt, hält man nicht fest. Kinder brauchen Mama und Papa. Sie sollten nicht darunter leiden, dass wir uns getrennt haben. 
Ja, es tut unendlich weh, verletzt, gedemütigt, ausgenutzt, betrogen und belogen zu werden. Aber das ist auf der Paarebene passiert. Das hat mit unseren Kindern nichts zu tun. Und es ist unsere verdammte Pflicht, alles dafür zu tun, dass unsere Kinder den Schaden, den wir erlitten haben, nicht in ihre eigene Beziehung mitnehmen. Von uns lernen sie, wie man Konflikte löst, oder, wenn es nicht anders geht, wie man sich anständig trennt. Wenn sie das nicht lernen, werden sie uns eines Tages spiegeln, unsere Fehler wiederholen. Über Generationen. Deswegen bin ich erhaben über den eigenen Schmerz. Ehrlich zu meinen Kindern und ehrlich zu mir selbst. Habe keine Scheu, Hilfe anzunehmen. Und ich würde mir wünschen, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. 
Wenn Eltern sich trennen, sollte es Menschen geben, die die Hand reichen und vermitteln. Für die Kinder. Für den eigenen Seelenfrieden. Für ein selbstverständliches Wechselmodell."


Ich bedanke mich für diese beitrag und wünsche euch alles gute für die Zukunft! Ihr tut das richtige. Für manche sollten Geschichten wie diese als Beispiel und Vorbild dienen.

Bis dann und alles Gute,
Thomas 

Dienstag, 24. Februar 2015

So sollte es sein!






Die erste zuschrifft zu meinem Gast-Autoren aufruf ist heute eingegangen! Vielen Dank dafür! Die Autorin möchte Anonym bleiben! Ich bin sehr beeindruckt und spreche dieser Dame meinen höchsten Respekt aus!!


"Ich habe 2 Kinder (Sohn 14 und Tochter 11).

Mein Ex-Mann hat sich von uns getrennt, als meine Kinder 7 und 4 waren. Die Kinder haben zuvor keine dollen Spannungen oder Streitereien mitbekommen. Es kam auch eher aus „heiterem Himmel“ (zumindest für mich). Wir hatten uns aufgrund schwieriger Arbeits- und Finanzsituation etwas auseinandergelebt, da wir unterschiedlich mit den Problemen umgegangen sind. Mein Ex-Mann hat sich eine neue Partnerin gesucht, und uns dann von einem Tag zum anderen verlassen.



Zuerst fiel es für die Kinder nicht stark ins Gewicht, da der Papa sowieso meist morgens früh aus dem Haus arbeiten war, und er erst nach dem Abendessen nach Hause kam – einschließlich Samstag.



Ich war sehr verletzt, habe es aber bewusst vor meinen Kindern verborgen und niemals schlecht über ihren Papa gesprochen. Ich hatte in der Zeit einen sehr guten Freund, dem gegenüber ich meine ganzen Gedanken ausbreiten konnte, meinen Frust, mein Unverständnis und meine Wut. Es kamen Gedanken auf, wie z.b. „ein charakterlich so labiler Mensch soll am besten gar keinen Einfluss mehr auf meine Kinder haben. Ich will denen schließlich besseren Charakter beibringen“ u.ä. Es dauerte etwa 4 Monate, bis – mit einigem Ärger – dann das Besuchsrecht geregelt war. In der Zeit habe ich – eine Person, die sehr stark sich selbst und Situationen reflektiert und analysiert – viele Phasen durch gemacht, von dem Verletztsein über den Versuch ihn zurückzugewinnen, zur Wut, zur Resignation bis hin zu einer kleinen Rache. Jedoch alles, ohne dass die Kinder bewusst etwas davon mitbekommen haben. Gefühlmäßig werden sie sicher meine Stimmungslagen pp. mitbekommen haben.



Eines Tages sagte meine 4jährige Tochter: „Wer kümmert sich denn um uns, wenn du uns auch verlässt“? Ich war erschrocken über die Frage, und entsprechend mit Liebe und einfühlsamen Worten reagiert, in etwa „ich werde sie nie allein lassen“ und ähnliches. Aber mir wurde dadurch sehr deutlich, wie Kinder denken. Papa ist gegangen und hat sie verlassen, also kann eine Mutter dies auch irgendwann tun.



Nach den 4 Anfangsmonaten, in denen mein Ex-Mann die Kinder nur sporadisch gesehen hat, gab es geregelt 14tägige Papa-Wochenenden. Er holte sie bei mir ab, und brachte sie wieder zurück (Wohnt in der Nachbarstadt, also ca. 20 km entfernt). Anfänglich habe ich möglichst vermieden, ihn zu treffen, sondern die Kinder direkt rausgeschickt, wenn ich wusste dass er kam, und beim Zurückkommen gleichermaßen. Irgendwann stellte ich fest, dass meine Kinder sich nicht trauten mir zu zeigen, dass sie sich auf Papa freuen, bzw. beim erzählen versuchten, was sie gemacht hatten, oberflächlich blieben, und nicht emotional berichteten. Da habe ich für mich den Schluss gefällt, dass es vollkommen egal ist, was ich über meinen Ex denke, und wie wir zueinander stehen. Der Kinder zu liebe kann ich trotzdem freundlich zu ihm sein, und eine Faust in der Tasche machen, die die Kinder nicht sehen. So habe ich beim darauf folgenden WE die Kinder bei ihm abgeholt (nach vorheriger Absprache) und bin auf einen Kaffee mit in die Wohnung gegangen. Direkt in den Folgetagen spürte ich, dass die Kinder anders waren. Sie erzählten offen, was sie mit Papa gemacht hatten, und kurz darauf sagte mein Sohn zu mir, dass er sich gefreut hätte, dass ich mit Papa einen Kaffee getrunken hätte. Seit dem erfolgten auch die Absprachen zwischen ihm und mir weniger per Email, sondern telefonisch, so dass die Kinder dies auch mitbekamen, dass wir vernünftig mit einander telefonierten. Natürlich kamen auch mal Dinge, die zwischen ihm und mir geklärt werden mussten, was unterschiedliche Erziehungsdinge etc. anging, das habe ich sämtlich unter 4 Augen oder schriftlich gemacht, so dass die Kinder keinen Stress zwischen uns in den gesamten 5 vergangenen Jahren mitbekamen.



Mittlerweile ist es ganz normal für die Kinder, wenn sie sich freuen, wenn was besonderes ist, oder ähnliches kurz bei ihrem Papa anzurufen und zu erzählen. Oder er ruft hier an und fragt, was gewesen ist. Verschiebungen der Wochenenden aufgrund Unternehmungen der Kinder ist überhaupt kein Problem. Bei der Konfirmationsfeier meines Sohnes war der Papa mit seiner mittlerweile anderen Freundin ebenso anwesend und hat mitgefeiert. Ich hätte zwar genauso gern darauf verzichtet, aber da ich weiß, dass es meinem Sohn wichtig war, war er dabei.



Meine Freundin mit einem 4jährigen Sohn hat sich gerade vor 2 Monaten getrennt. Meine Kinder haben das ein bisschen mitbekommen. Mein Sohn meinte daraufhin. „Ich glaube, es ist ein Vorteil, wenn man so jung ist. Wir waren ja auch noch klein. Und für uns ist es irgendwie ganz selbstverständlich, dass wir Papa und Mama haben, aber dass sie nicht zusammen wohnen“.



Meine Tochter äußerte vor ca. 2 -3 Jahren mal einen erschreckenden Satz. Als Vorwissen muss man wissen, dass mein Sohn aussehensmäßig und auch in einigen wesentlichen Charakterzügen sehr stark nach mir kommt, meine Tochter dagegen nach meinem Ex-Mann. So haben wir früher oft davon geredet, „er kommt total nach mir – ist mein Sohn, sie ist deine Tochter“. Und nun sagte meine Tochter, „mich liebst du ja nicht so, wie …, da er ja wie du bist, während ich wie Papa.“ Da war ich natürlich sehr erschrocken, was so eine „doofe“ Redensart bei einem Kind bewirken kann. Dann habe ich aufgezählt, welche Arten alle genauso sind wie ich als Kind war. Fotos raus gesucht, wo sie genauso aussieht wie ich als Kind usw. Selbst heute noch mache ich es immer wieder, dass ich unauffällig darauf aufmerksam mache, wenn Eigenschaften meines Sohnes zum Vorschein kommen, die sozusagen vom Papa sind, und wenn umgekehrt bei ihr die Parallelen zu mir da sind.



In den ganzen Jahren sind meine beiden Kinder sehr stark zusammen gewachsen. Sie halten extrem zusammen, streiten wenig und sind immer füreinander da, wenn jmd. Hilfe braucht.



Natürlich wird eine gewisse Prägung immer bleiben. Aber rückblickend auf die vergangenen Jahre, und wie die Kinder heutzutage sind, würde ich sagen, wir haben den besten Kompromiss gefunden, den man finden konnte. Ich bin mir aber bewusst, dass das nur möglich war, weil wir beide es gewollt haben, weil wir beide uns zusammengerauft haben, weil wir beide ganz bewusst die Kinder von Unstimmigkeiten pp. fernhalten wollten und wollen. Ich denke auch, dass es eine gewisse Reife bei uns Erwachsenen voraussetzt, damit man nicht in der Wut, dem Frust, dem Verletztsein und dem Rachegefühl stecken bleibt. Das gehört sicher alles zum Verarbeiten dazu, aber es darf m.E. nicht das letzte Wort sein. So habe ich mir selber beispielsweise ganz bewusst vor Augen geführt, was ich für gute Jahre mit ihm zusammen, und wir als Familie hatten. Schließlich war ja nicht alles schlecht. Wenn ich aber im Nachhinein alles schlecht rede, verleugne ich ja einen ganz großen Teil meines Lebens. Dann kann ich nie ins Reine mit mir selber kommen.



Vor kurzem kam mit meinem Sohn mal das Gespräch über Partnerschaft, und da in Folge dessen auch zum nicht klappen meiner Ehe. Da sagte er, er wüsste ja gar nicht, warum wir uns eigentlich getrennt haben. Klar weiß er, dass mein Ex damals eine Freundin hatte, aber er meinte eher die Hintergründe dessen. Da habe ich ihm geantwortet, dass ich ihm das auch nicht sagen würde. Vielleicht mal viel viel später, vielleicht aber auch nie. Und habe auch die Erklärung dazu gegeben, nämlich dass ich möchte, dass er nicht beeinflusst wird von mir, was ich vielleicht nicht so gut an Papa fand. Wir hätten beide unsere Fehler gemacht, und da möchte ich nicht, dass er sich dann sozusagen Vorurteile bildet, nur weil ich irgendwie darüber denke. Er liebt Papa, und Papa liebt ihn. Papa ist ja ein Teil von ihm, und genau so soll es bleiben."

Sehr bewegend wie ich finde. Das sollte vielen als Beispiel dienen!

Alles gute,
Thomas