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Mittwoch, 11. März 2015

"Erziehung im Wechselmodell" von Danielle Gebur


Hallo ihr Lieben, 

heute habe ich meine allererste Rezension für euch auf Lager. ;-) Da es meine erste ist, bitte ich euch, ein wenig nachsichtig mit mir zu sein. Das Ganze ist Teil einer kleinen Überraschung für euch, zu der ich aber noch nicht mehr verraten will. Es handelt sich um das Buch "Erziehung im Wechselmodell" von Danielle Gebur, die auch schon einen Blog-Post für Rosenkrieg verfasst hat. 

Mit "Erziehung im Wechselmodell: Trennungskinder und gelungene Erziehungspartnerschaft" ist es Frau Gebur gelungen, sehr deutlich und geschickt, zu zeigen, welche Voraussetzungen für das Wechselmodell notwendig sind, wie Eltern es schaffen, dieses Modell erfolgreich umzusetzen und welche Lehren man daraus ziehen kann. Das Wechselmodell wird durch Eltern-Interviews und der dazugehörigen empirischen Studie nicht nur als echte Alternative zum veralteten Residenzmodell aufgezeigt, sondern als durchaus vorteilhafte Variante. Es wird gezeigt, dass die Definition des Lebensmittelpunktes überholt ist und dass dieser sehr wohl auch bei beiden Elternteilen liegen kann. Ich finde es sehr aufschlussreich und absolut empfehlenswert. Mit 157 Seiten (davon 90 Seiten Interviewmaterial) würde ich es als eine recht umfangreiche Studie bezeichnen, was aber aufgrund der guten Schreibweise kaum auffällt. 

Meiner Meinung nach ein MUSS für jeden, der das Wechselmodell leben, dieses verstehen, dafür eintreten oder sich in dieser Hinsicht weiterbilden möchte.



Halb bei Mama - Halb bei Papa

Dienstag, 10. März 2015

Trennung/Mediation


Hallo meine Lieben, 

ich bin's mal wieder. Heute möchte über das Thema „Trennung und Mediation“ sprechen. Ich habe mir mittlerweile einige Trennungsgeschichten angehört und viele Eltern in ihren Trennungen begleitet. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, die immer wieder auftreten. 

In den meisten fällen trennt sich der eine vom anderen. Derjenige, der sich trennt, ist meist schon ein paar Schritte weiter als der, von dem sich getrennt wird. So kommt es immer wieder zu Missverständnissen. 

Beispiel: Die Frau trennt sich vom Mann. Dieser Mann beklagte sich bei mir, dass seine Ex von ihrem Leben erzählt. Beispielsweise, was sie am Wochenende gemacht hat, wie es ihr geht und was sie mit den Kindern geplant hat. Für ihn war es vollkommen unverständlich, wie sie ihm so etwas erzählen kann. Er möchte darüber nichts wissen. Für ihn stellte sich nur eine Frage: Wenn sie ihn weiterhin als Teil ihres Lebens haben will, wieso trennt sie sich dann? Für ihn war das Verhalten seiner Ex pure Provokation und Folter. Dementsprechend hat er darauf reagiert. Er wurde wütend und sagte ihr: "Mich interessiert es nicht, was in deinem Leben passiert. Das ist mir sch*** egal!" 

Für sie ist es wiederum vollkommen unverständlich, wie er so reagieren kann. Immerhin haben sie einmal ihr leben miteinander verbracht und haben auch gemeinsame Kinder. So ist es in ihren Augen doch nur verständlich, dass sie sich eine freundschaftliche Basis behalten sollten. Dazu gehört für sie nun einmal auch der sogenannte "Small Talk". Die Reaktion des Mannes signalisiert der Ex Folgendes: "Du bist mir egal, ich hasse dich und will dich aus meinem Leben streichen." 

Und da haben wir den Salat! Beiden fehlt die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Sie ist in der Trennung schon so weit zu sagen: "Gut, unsere Beziehung ist gescheitert. Unsere Elternschaft hat damit aber nichts zu tun." Er hingegen ist noch nicht so weit. Er hat noch damit zu kämpfen, dass er seine Frau verloren hat. Beide reagieren auf den jeweils anderen und schaukeln sich hoch, immer weiter. Bis dann ein echter Krieg ausbricht. 

Noch ein Beispiel: Der Mann trennt sich von der Frau. Sie fühlt sich im Stich gelassen, sieht sich jetzt als "alleinerziehend" und bekommt das auch von allen Seiten so vermittelt. Auch von ihm. Das denkt sie zumindest, denn er hat sie ja mit den Kindern allein gelassen. Vielleicht denkt sie auch: "Er hat sich vor der Verantwortung als Vater und Ehemann gedrückt.“ Es kommt zu folgender Situation: Der Mann möchte Umgang mit den Kindern. Doch sie unterbindet das. Warum? Sie fühlt sich im Stich gelassen, denn er hat sie und die Kinder verlassen. So hat sie Angst davor, vielleicht auch nur unterbewusst, dass er die Kinder irgendwann "wieder" sitzen lässt. Sie will die Kinder also davor beschützen. Was ja, im Grunde genommen, eine gute Sache ist. Er gibt aber nicht auf und fängt an, um die Kinder zu kämpfen. Sie wertet das aber nicht als den Wunsch, weiterhin Vater sein zu können, sondern als Machtspiel des Ex. 

Für ihn ist es jedoch ganz anders. Er war in der Beziehung vielleicht nicht mehr glücklich, hat auch keinen Weg gesehen, daran etwas zu ändern. Also hat er sich, in seinem Streben nach Glück, schweren Herzens von seiner Frau getrennt. Keineswegs aber von seinen Kindern. So möchte er nun auch nach der Trennung als Vater für seine Kinder da sein. Dies wird ihm verweigert und er kann die Gründe dafür nicht verstehen. Er sieht die Intention seiner Ex-Frau nicht. Wie auch? Er hat das, was sie ihm vorwirft, nie getan, jedenfalls nicht in seiner Wahrnehmung der Trennung. So wird er, verständlicherweise, wütend, dass seine Ex ihm die Kinder vorenthält. In seiner Wut und seiner Verzweiflung wendet er sich an einen Anwalt und klagt gegen seine Ex. Für ihn ist das Handeln und Vorgehen seiner Ex nicht der Wunsch, die Kinder vor einer Enttäuschung in der Zukunft zu schützen. Für ihn ist es ein Machtspiel der Ex. 

Da haben wir den Salat schon wieder, aber dieses Mal mit Dressing! Beiden fehlt, genau wie im ersten Beispiel, die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Als Dressing kommt dazu, dass beide es nicht schaffen, besser gesagt nicht schaffen können, miteinander zu reden. So bricht auch hier ein Krieg aus. Dieser wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Gewinnen kann ihn niemand, denn die, die am wichtigsten sind leiden. Egal wer am Ende gewinnt, die Kinder verlieren. Das Ganze habe ich so ähnlich schon in Sender und Empfänger beschrieben. 

Wenn also die Eltern nicht in der Lage sind, miteinander zu reden, sich auf den anderen einzulassen, zu sehen, dass das Gegenüber vielleicht doch nicht einfach nur böse oder egoistisch ist, was bleibt da noch außer Krieg? 

Manche sagen nun: Alle Macht der Mutter, so kann der Vater keinen Krieg führen. 
Andere sagen: Alle Macht dem Vater, so kann die Mutter keinen Krieg führen. 

Ich sage: Mediation! 

Wenn in den oben von mir beschriebenen Situationen ein zertifizierter Mediator, der fähig und up to date ist, der den Eltern die Position des jeweils anderen hätte klarmachen können, anwesend gewesen wäre, hätte man den "Krieg" umgehen können. 

So kommen wir zum Kern der Sache. Eltern, die sich voneinander trennen, brauchen Hilfe. Damit meine ich keine "Familienberatung" oder den "Psychologischen Dienst" des Jugendamtes. Sie brauchen Mediation. In der Familienberatung sitzen häufig Sozialarbeiter, die nur sehr selten eine tatsächlich psychologische Ausbildung genossen haben. Nehmen wir einmal an, man hat Glück und dort sitzt jemand vom Fach, was einem Lottogewinn gleichkommt, dann hat dieser einen ganz anderen Hintergrund als ein Mediator. Natürlich ist dieser Hintergrund nicht schlechter, aber für die Situation eher ungeeignet, denn es geht hier nicht darum, eine gemeinsame Basis zu finden, einen Konsens sonder darum, eine Störung des sozialen Umfeldes der Familie festzustellen, zu lindern oder zu heilen. Ähnliches gilt für den Psychologischen Dienst des Jugendamtes. Beides kann natürlich sinnvoll sein, aber ich bin der Ansicht, dass eine echte Mediation vorzuziehen ist. 

Hier wird jemand gebraucht, der ein Gespräch so zu führen vermag, dass die (eigentlichen) "Gegner" selbstständig und eigenverantwortlich zu dem Schluss kommen, was das Gegenüber eigentlich will, denn so und NUR so kann ein Konsens, eine Lösung gefunden werden, bei der keiner als Verlierer dasteht. 

Was genau Mediation ist und wie man leicht selbst erkennen kann, ob man diese braucht oder nicht, beschreibt Hans-Jürgen Gaugl sehr geschickt in seinem Artikel. Mediation – was ist das und wann kann das helfen?


Ein Nachtrag: JEDER darf sich in Deutschland "Mediator" schimpfen! So solltet ihr immer darauf achten, dass dieser die Bezeichnung "ZERTIFIZIERTER MEDIATOR" trägt. Wenn ein Anwalt nebenher Mediation anbietet, solltet ihr besonders vorsichtig sein, denn Konsens und die Tätigkeit des Anwalts an sich stehen im krassen Gegensatz zueinander. 

Ich wünsche euch alles Gute, 
Thomas

"Väterquote" von Susanne Petermann


Hallo ihr Lieben,


nachdem am Freitag die "Frauenquote" beschlossen wurde habe ich einen tollen Artikel gefunden den ich mit euch teilen möchte.

"Liebe Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, ich blogge auf dem Stiefmutterblog und habe ein Buch über Stiefmütter geschrieben. Die Probleme zweiter Familien sind mir nach vielen hundert Gesprächen mit Vätern, Müttern und Stiefmüttern nur zu vertraut. Der Gedanke einer “Väterquote”, also eines Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe von Vätern und Müttern an Familien, beschäftigt mich in diesem Zusammenhang seit geraumer Zeit."


Viel spaß beim lesen,
Thomas


Freitag, 6. März 2015

Für ein selbstverständliches Wechselmodell


Hallo ihr Lieben,

wie die meisten von euch wissen suchte und suche ich nach Gastautoren. Dazu hat mich nun die zweite Zuschrift erreicht. Es ist ein sehr selbstloses und beeindruckendes Beispiel dafür wie es laufen kann, wenn die Eltern sich selbst hinten anstellen. Auch diese Mutter möchte Anonym bleiben und das werde ich, wie immer, respektieren.

Einige werden sich nun fragen "Wieso stellt er nur positive Beispiele Online?". Die antwort darauf ist einfach. Ich habe bisher keine nefgativ Beispiele bekommen ;-)


"Drei Mädels heulten hemmungslos. Die Beiden, 6 und 8, hatten Angst, ihren Papa zu verlieren. Ich, nicht mal 30, verlor meinen Mann. Nach knapp 10 Jahren war die Beziehung nicht mehr zu retten. Man wurde sich fremd und beschloss gemeinsam, dass getrennte Wege gegangen werden. Und die Mädchen bestimmten wie: „Wir wollen bei Mama und Papa“ bleiben. 
Da gab es keine Diskussion und der Schmerz unserer Töchter war so heftig, dass wir es nicht wagten, das in Frage zu stellen.

Heute, fast sieben Jahre später blicke ich zurück. Immer noch manchmal mit Tränen in den Augen, die vor allem dann kommen, wenn ich an die harte und anstrengende Zeit denke. Loslassen. Hoffen. Doch noch lieben. Verfluchen. Wenn die eigenen Gefühle ein Pendel sind, könnte es nicht maximaler ausschlagen. Schnell wurde mir klar – der einzige Maßstab, der für mich gelten muss, das sind die Bedürfnisse meiner Töchter. Meine Verletzungen, meine Ängste, mein Wunsch, ihn zu vergessen, haben hinten anzustehen. 
Lilly und Lara lieben ihren Papa über alles. Und sie lieben mich über alles. Dafür lebten wir ab dem ersten Tage der Trennung das Wechselmodell. Damals wussten wir nicht, dass der wochenweise Wechsel einen Namen hat. 
Unsere Mädels forderten dies ein und wir fügten uns. Ja, manchmal war es einfach nur FÜGEN. Ich ertrug es manchmal nur schwer, wenn die Sachen nach Papa rochen, wenn sie vom Urlaub schwärmten, von seiner tollen Frau, der neuen Wohnung. Es tat so weh. Ich war zerrissen. Und vor allem die Große, Lilly, spürte es. Ich konnte nur ehrlich sein: „Lilly, es tut weh, auch ich muss loslassen, deswegen bin ich manchmal traurig. Aber das muss ich mit mir ausmachen. Und ich will, dass ihr Papa liebt, ohne Angst zu haben, dass es mich verletzt“. Sie verstand es, nahm mich in den Arm und schwor, dass ich die beste Mama der Welt bin. 
Der Weg bis zur Scheidung war die Hölle. Ohne psychologische Begleitung wäre ich wohl kaum durchgekommen. Wie sagte er zu mir: „Ihren Weg müssen Sie selber gehen, ich kann nur die Rettungsleine halten und mit Ihnen auf der Karte schauen, welche Wege in Frage kämen“. 

Gemeinsam erkämpften wir uns diesen Weg. Weit bin ich gekommen, sehr weit. Ich schaue in den Spiegel und bin stolz auf mich. Meine Mädchen haben allergrößtes Vertrauen zu mir. Den Mut, auch Wahrheiten zu sprechen, die weh tun. Zu sagen, dass sie mehr Zeit mit Papa und seiner neuen Frau verbringen wollen. Weil sie dort eine richtige Familie sind, mit ihrer Stiefmama. 
Manche Wochen bin ich noch viel länger als Halbzeit alleine. Lasse mal die eine und dann auch wieder die andere Motte los. Lasse sie ziehen, weil ich weiß, dass sie wiederkommen. Stark und frei. Stolz und ehrlich. Ein bisschen älter und wunderschön kommen sie zurück. Was man liebt, hält man nicht fest. Kinder brauchen Mama und Papa. Sie sollten nicht darunter leiden, dass wir uns getrennt haben. 
Ja, es tut unendlich weh, verletzt, gedemütigt, ausgenutzt, betrogen und belogen zu werden. Aber das ist auf der Paarebene passiert. Das hat mit unseren Kindern nichts zu tun. Und es ist unsere verdammte Pflicht, alles dafür zu tun, dass unsere Kinder den Schaden, den wir erlitten haben, nicht in ihre eigene Beziehung mitnehmen. Von uns lernen sie, wie man Konflikte löst, oder, wenn es nicht anders geht, wie man sich anständig trennt. Wenn sie das nicht lernen, werden sie uns eines Tages spiegeln, unsere Fehler wiederholen. Über Generationen. Deswegen bin ich erhaben über den eigenen Schmerz. Ehrlich zu meinen Kindern und ehrlich zu mir selbst. Habe keine Scheu, Hilfe anzunehmen. Und ich würde mir wünschen, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. 
Wenn Eltern sich trennen, sollte es Menschen geben, die die Hand reichen und vermitteln. Für die Kinder. Für den eigenen Seelenfrieden. Für ein selbstverständliches Wechselmodell."


Ich bedanke mich für diese beitrag und wünsche euch alles gute für die Zukunft! Ihr tut das richtige. Für manche sollten Geschichten wie diese als Beispiel und Vorbild dienen.

Bis dann und alles Gute,
Thomas 

Montag, 2. März 2015

Hans-Jürgen Gaugl über Mediation.


Hallo ihr Lieben,


heute habe ich, mal wieder, die weisen Worte meines guten Freundes Hans-Jürgen Gaugl für euch zum lesen. Er schreibt über das thema Mediation. Ich hätte es nicht besser formulieren können ;-)

"Mediation ist also in einfachen Worten unter anderem ein Verfahren, bei welchem zu Situationen, die vollkommen verfahren erscheinen und zu denen es so scheint, als müsste mindestens eine Person aus dem Streit als Verlierer beziehungsweise Verliererin hervorgehen, jene Hilfestellungen angeboten werden, die es ermöglichen, doch noch ein Miteinander zu entdecken. Ein Miteinander, welches es erlaubt, Möglichkeiten zu entdecken, in welchen beide Seiten das bekommen, was sie brauchen, um auch ihren inneren Frieden zu den scheinbar unüberwindbaren Differenzen wiederzufinden." - Hans-Jürgen Gaugl

Viel Spaß beim lesen!
Gruß,

Thomas


Dienstag, 24. Februar 2015

Was ist Erziehung?


Hallo ihr Lieben,

 ich wurde vor Kurzem von einer Kinderpsychologin, die für das Jugendamt tätig ist, gefragt: "Was bedeutet es für dich, zu 'erziehen'?" Wie ich nun einmal so bin, habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht. 

Es gibt wohl keine "Elternzeitschrift", die nicht in jeder Ausgabe mindestens einen Artikel zu diesem Thema präsentiert. Man liest von der "antiautoritären Erziehung", der "demokratischen Erziehung" und vielen anderen Erziehungsformen. Ich kenne Eltern, die gleich mehrere Abos für "Elternzeitschriften" haben. Dies Eltern lesen so unglaublich viel über das Thema Erziehung und bekommen so viele Eindrücke, Tipps und Ratschläge, dass sie vergessen, ihren eigenen Erziehungsstil zu finden.
Ich frage mich jedes Mal: "Wie kann man sich von einer Zeitung sagen lassen, was für das eigene Kind, das man selbst am besten kennen sollte, richtig oder falsch ist?" Ich bin kein Experte, was das Thema angeht. Ich bin nur Papa. Aber ich möchte nun einmal versuchen, zu erläutern, was es in meinen Augen bedeutet, seine Kinder zu erziehen. 

Wenn wir von Erziehung sprechen, geht es um soziale Fähigkeiten, wie beispielsweise Anstand, Benehmen, Werte, die es zu vermitteln gilt, und den Umgang mit anderen. 
So muss man sich zuallererst zwei Fragen stellen: 1. Was für ein Mensch soll mein Kind einmal werden? Damit meine ich nicht, welchen Beruf es einmal ergreifen, welche Musik es hören oder für welche Dinge es sich interessieren soll. Ich meine Dinge wie Ehrlichkeit, gute Manieren, Respekt und soziale Kompetenz. 
2. Wie lernen Kinder? Diese Frage ist eigentlich einfach zu beantworten. Kinder lernen durch Entdecken, Beobachten und Wiederholen. 

Daraus ergibt sich, meiner Meinung nach, ein klares Bild. Wenn ich meinem Kind etwas vermitteln will, muss ich es vorleben. So muss ich also selbst, in jedem Moment, der Mensch sein, zu dem meine Kinder sich entwickeln sollen. Wenn ich also möchte, dass mein Kind sein Versprechen hält, dann muss ich zuerst meine eigenen halten. "Wenn Papa was verspricht, dann […] hält Papa das auch!" So beendet mein Sohn diesen Satz jedes Mal, weil er weiß, dass es so ist. Er macht es mir nach, er hält seine Versprechen. Ich habe ihn schon oft dabei beobachten können, wie er zu sich selbst murmelt: "Wenn Roni was verspricht, dann hält Roni das auch, wie der Papa." 

Das ist dann schon einmal ein ganz guter Einstieg. Nun gilt es, die Kinder im Alltag zu begleiten, ihnen dabei zu helfen, die Welt zu entdecken. Das funktioniert, meiner Ansicht nach am besten, indem ich meine Kinder einfach machen lasse. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Sohn etwas schneller lernt, wenn er es selbst immer wieder versucht. Klar, ich bin für ihn da, wenn er mich braucht. Wenn er sagt: "Papa ich kann das nicht", dann nehme ich ihm die Aufgabe nicht ab. Ich ermutigte ihn, es noch einmal zu versuchen. "Du kannst alles schaffen, wenn du es willst und nicht aufgibst", sage ich ihm regelmäßig. Wenn er es dann doch noch nicht allein schafft, nehme ich mir die Zeit und mache es mit ihm GEMEINSAM! Dann erkläre ich es ihm Schritt für Schritt und wiederhole es mit ihm, bis er es kann. 

Dies lässt sich, denke ich, auf alles im Leben übertragen und gilt für mich als Richtlinie der Erziehung meiner Kinder. Wichtig ist es, mit den Kindern zu reden. Wenn ich etwas tue, erkläre ich es meinem Sohn. Ich lasse ihn daran teilhaben. Wenn ich z.B. abstaube, bekommt er einen Lappen und darf mir dabei helfen. Ja o.k., da, wo er abstaubt, muss ich noch einmal ran und ja, es dauert länger und ist manchmal etwas aufwendiger, dafür räumt mein Sohn aber auch sein Zimmer freiwillig auf – zwar nicht immer, aber sehr oft. Kocht zum Beispiel mit euren Kindern, geht mit ihnen auf den Bauernhof! So bekommen sie beispielsweise einen Bezug zu Lebensmitteln. Diese kommen nun einmal nicht nur aus dem Supermarkt. Habt ihr einen Garten? Dann nehmt euch eine kleine Ecke und baut mit euren Kindern gemeinsam Gemüse an. Das macht Arbeit, ich weiß, aber vor allem macht es Spaß! Ich werde nie vergessen, wie schön es war, meinen 2-jährigen Sohn dabei zu beobachten, wie er die Himbeersträucher leer gefuttert hat. 

Noch viel wichtiger ist, hört euren Kindern zu! Sie haben so viel zu erzählen, so viel zu entdecken. Das kann alles Mögliche sein, ein Flugzeug am Himmel, ein Bauarbeiter, ein Polizist oder eine Katze, die die Straße überquert. Eure Kinder wollen diese Erlebnisse mit euch teilen, also hört ihnen zu, erzählt ihnen dazu vielleicht noch etwas Interessantes. Ich werde niemals eine Situation im Bus vergessen: Vor mir saß eine leicht gestresste Mutter mit ihrem ca. 4 Jahre alten Sohn. Dieser war vollkommen begeistert von dem Polizisten, den er aus dem Fenster heraus dabei beobachten konnte, wie er den Verkehr regelte. Er zupfte an der Jacke seiner Mutter und sagte: "Mama schau, ein Polizist!" Ihre Antwort war: "Ja und? Das ist doch nichts Besonderes, nerv mich nicht!" Das niedergeschlagene, todtraurige Gesicht des Jungen werde ich nie vergessen. Seitdem plane ich immer 15 Minuten extra ein, um Zeit zu haben, wenn meine Kinder mir etwas zeigen möchten. Kommt mir jetzt nicht mit: "Ich bin immer so im Stress und habe keine Zeit!" Euch sage ich dann das selbe wie meinem Sohn: Ihr könnt alles, wenn ihr es wollt und nicht aufgebt! ;-) 

Ein guter Leitsatz ist für mich immer: Weshalb möchte ICH nicht, dass er/sie das macht? Ist es für MICH unangenehm, stressig, kompliziert usw. oder ist es schädlich, schlecht oder falsch für mein Kind? 

Es kommt bei mir eigentlich sehr selten vor, dass ich mal „hart" bleiben muss oder eine „Strafe" verhänge. Wenn ich allerdings „hart" bleiben muss, dann ist es für mich immer wichtig zu erkennen, was gerade passiert. Ist es eine Situation die zu dem oben genannten Leitsatz passt oder ist es ein Machtkampf? Kinder testen und schauen, wer sich durchsetzen kann. Ich kann das bei meinen Kindern recht gut erkennen und bleibe in diesen Situationen „hart". Wenn ich mal eine „Strafe" verhängen muss, dann ist es bei kleinen Kindern, wie meine es sind, wichtig, darauf zu achten, nicht zu konsequent zu sein. Klar, man muss Konsequenz beweisen, aber man sollte auch versuchen, zu verstehen, wie das bei den Kindern ankommen kann. Bei kleinen Kindern ist es so, dass sie die Konsequenz nach einer gewissen Zeitspanne – sagen wir der Einfachheit halber 10 Minuten – nicht mehr als konsequent, sondern als gemein wahrnehmen. Also versuche ich, nach einigen Minuten auf meine Kinder zuzugehen. Ich nehme sie auf den Schoß und sage: "So jetzt waren wir aber ganz schön sauer aufeinander. Jetzt entschuldigen wir uns und suchen einen Weg, wie du und ich mit deiner Bestrafung am besten leben können." Ein Beispiel: Mein Sohn macht Theater beim Zubettgehen und steht immer wieder auf. Dann gibt es als Konsequenz kein Hörspiel zum Einschlafen. Meist machen wir dann den Kompromiss, noch kurz zusammen eine Geschichte zu lesen und dass dann ohne weiteres Hörspiel zu hören, geschlafen wird. Das funktioniert bei mir jedes Mal. 

Ein weiteres, letztes Thema möchte ich noch ansprechen, nämlich das Fernsehen schauen. In den Zeitschriften liest man immer wieder, dass Fernsehen nicht gut für Kinder ist, ja sogar schädlich sein kann. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. 
Ja, man sollte seine Kinder nicht den ganzen Tag oder auch ganze Stunden vorm Fernseher parken. Es gibt viele, eindeutig bessere Dinge, die man unternehmen kann. Aber grundsätzlich falsch finde ich Fernsehen für Kinder nicht. Mein Sohn darf abends vor dem Zubettgehen ein wenig Fernsehen schauen. Seine Lieblingssendung ist "Go Wild – Mission Wildnis". Diese Sendung ist der Knaller! Mein Sohn könnte euch Fakten und Dinge über Tiere erzählen, von denen ihr noch nicht einmal gehört habt. So bleibt meiner Ansicht nach, als Fazit lediglich zu sagen: Fernsehen in geringen Mengen kann, mit ausgewählten Sendungen, sogar fördernd und bildend für Kinder sein! 

Um das Ganze einmal zusammenzufassen: Erziehung bedeutet, für mich,  Vorleben, Begleiten, Zuhören und miteinander reden, mitmachen und vor allem lieben. Denn all das, was ich beschrieben habe, bringt nichts, wenn ihr es nicht voller Freude und Liebe macht! Ich gebe dem ganzen mal einen Namen: Es ist der "einfühlsame Erziehungsstil". 

Alles Gute, 
Thomas