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Freitag, 6. März 2015

Für ein selbstverständliches Wechselmodell


Hallo ihr Lieben,

wie die meisten von euch wissen suchte und suche ich nach Gastautoren. Dazu hat mich nun die zweite Zuschrift erreicht. Es ist ein sehr selbstloses und beeindruckendes Beispiel dafür wie es laufen kann, wenn die Eltern sich selbst hinten anstellen. Auch diese Mutter möchte Anonym bleiben und das werde ich, wie immer, respektieren.

Einige werden sich nun fragen "Wieso stellt er nur positive Beispiele Online?". Die antwort darauf ist einfach. Ich habe bisher keine nefgativ Beispiele bekommen ;-)


"Drei Mädels heulten hemmungslos. Die Beiden, 6 und 8, hatten Angst, ihren Papa zu verlieren. Ich, nicht mal 30, verlor meinen Mann. Nach knapp 10 Jahren war die Beziehung nicht mehr zu retten. Man wurde sich fremd und beschloss gemeinsam, dass getrennte Wege gegangen werden. Und die Mädchen bestimmten wie: „Wir wollen bei Mama und Papa“ bleiben. 
Da gab es keine Diskussion und der Schmerz unserer Töchter war so heftig, dass wir es nicht wagten, das in Frage zu stellen.

Heute, fast sieben Jahre später blicke ich zurück. Immer noch manchmal mit Tränen in den Augen, die vor allem dann kommen, wenn ich an die harte und anstrengende Zeit denke. Loslassen. Hoffen. Doch noch lieben. Verfluchen. Wenn die eigenen Gefühle ein Pendel sind, könnte es nicht maximaler ausschlagen. Schnell wurde mir klar – der einzige Maßstab, der für mich gelten muss, das sind die Bedürfnisse meiner Töchter. Meine Verletzungen, meine Ängste, mein Wunsch, ihn zu vergessen, haben hinten anzustehen. 
Lilly und Lara lieben ihren Papa über alles. Und sie lieben mich über alles. Dafür lebten wir ab dem ersten Tage der Trennung das Wechselmodell. Damals wussten wir nicht, dass der wochenweise Wechsel einen Namen hat. 
Unsere Mädels forderten dies ein und wir fügten uns. Ja, manchmal war es einfach nur FÜGEN. Ich ertrug es manchmal nur schwer, wenn die Sachen nach Papa rochen, wenn sie vom Urlaub schwärmten, von seiner tollen Frau, der neuen Wohnung. Es tat so weh. Ich war zerrissen. Und vor allem die Große, Lilly, spürte es. Ich konnte nur ehrlich sein: „Lilly, es tut weh, auch ich muss loslassen, deswegen bin ich manchmal traurig. Aber das muss ich mit mir ausmachen. Und ich will, dass ihr Papa liebt, ohne Angst zu haben, dass es mich verletzt“. Sie verstand es, nahm mich in den Arm und schwor, dass ich die beste Mama der Welt bin. 
Der Weg bis zur Scheidung war die Hölle. Ohne psychologische Begleitung wäre ich wohl kaum durchgekommen. Wie sagte er zu mir: „Ihren Weg müssen Sie selber gehen, ich kann nur die Rettungsleine halten und mit Ihnen auf der Karte schauen, welche Wege in Frage kämen“. 

Gemeinsam erkämpften wir uns diesen Weg. Weit bin ich gekommen, sehr weit. Ich schaue in den Spiegel und bin stolz auf mich. Meine Mädchen haben allergrößtes Vertrauen zu mir. Den Mut, auch Wahrheiten zu sprechen, die weh tun. Zu sagen, dass sie mehr Zeit mit Papa und seiner neuen Frau verbringen wollen. Weil sie dort eine richtige Familie sind, mit ihrer Stiefmama. 
Manche Wochen bin ich noch viel länger als Halbzeit alleine. Lasse mal die eine und dann auch wieder die andere Motte los. Lasse sie ziehen, weil ich weiß, dass sie wiederkommen. Stark und frei. Stolz und ehrlich. Ein bisschen älter und wunderschön kommen sie zurück. Was man liebt, hält man nicht fest. Kinder brauchen Mama und Papa. Sie sollten nicht darunter leiden, dass wir uns getrennt haben. 
Ja, es tut unendlich weh, verletzt, gedemütigt, ausgenutzt, betrogen und belogen zu werden. Aber das ist auf der Paarebene passiert. Das hat mit unseren Kindern nichts zu tun. Und es ist unsere verdammte Pflicht, alles dafür zu tun, dass unsere Kinder den Schaden, den wir erlitten haben, nicht in ihre eigene Beziehung mitnehmen. Von uns lernen sie, wie man Konflikte löst, oder, wenn es nicht anders geht, wie man sich anständig trennt. Wenn sie das nicht lernen, werden sie uns eines Tages spiegeln, unsere Fehler wiederholen. Über Generationen. Deswegen bin ich erhaben über den eigenen Schmerz. Ehrlich zu meinen Kindern und ehrlich zu mir selbst. Habe keine Scheu, Hilfe anzunehmen. Und ich würde mir wünschen, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. 
Wenn Eltern sich trennen, sollte es Menschen geben, die die Hand reichen und vermitteln. Für die Kinder. Für den eigenen Seelenfrieden. Für ein selbstverständliches Wechselmodell."


Ich bedanke mich für diese beitrag und wünsche euch alles gute für die Zukunft! Ihr tut das richtige. Für manche sollten Geschichten wie diese als Beispiel und Vorbild dienen.

Bis dann und alles Gute,
Thomas 

1 Kommentare:

Lutz Bierend hat gesagt…

Ich finde es sehr schön, dass du so viele Positive und letztendlich auch reife Kommentare bekommst, auch wenn Menschen in Konflikttrennungen dazu neigen manchmal ihre Negativerfahren als "so muss das Immer sein" ist es glaube ich zum Glück seltener als anders herum. Letztendlich ist man für das Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Wie schon, dass so viele Eltern dieser verantwortung gerecht werden.